Spanien Allgemeine Ausgangssperre – Tag 8

Die Begrenzung auf die wenigen Quadratmeter an Bord sind wir ja gewohnt, auch von den wochenlangen Transatlantik-Strecken. Im Hafen an Bord eingesperrt zu sein, hat dennoch eine ganz andere Qualität. Das Für und Wider dieser Maßnahme, welche die spanische Regierung am 15.03.2020 ratifiziert hat, wollen wir nicht diskutieren. Wir persönlich glauben, dass es eine richtige und unvermeidbare Maßnahme ist – leider. Dennoch treibt die Umsetzung so manche Stilblüten, die man hinterfragen kann. Auslaufen dürfen wir nicht, auch nicht zum Tagessegeln oder Angeln oder Ankern bei ruhigem Wetter. Der Hafen von Almerimar ist komplett geschlossen, für einlaufende wie auslaufende Schiffe.

Bars, Restaurants und Non-Food Geschäfte sind seit vergangenem Sonntag gänzlich dicht. Im öffentlichen Raum darf man sich nur zweckgebunden bewegen, zum Lebensmitteleinkauf oder in die Apotheke, zu unvermeidbarem Arzttermin oder zur Arbeit gehen oder fahren. Das heißt für uns, wir können de facto nur für den Gang zum Supermarkt von Bord. Das versuchen wir allerdings in der Tat zur Zeit eher zu vermeiden, da sich die Krankheit hier in Spanien zur Zeit rasend schnell verbreitet und im Verhältnis zur Einwohnerzahl sind bereits doppelt so viele Menschen mit Covid19 infiziert wie z.B. in Deutschland – mit einer sehr hohen Dunkelziffer, da nicht ausreichend Tests zur Verfügung stehen. Hier im Süden Andalusiens allerdings, gibt es prozentual deutlich weniger Fälle.

Sport ist nicht erlaubt, auch nicht einzeln. Nur wer einen Hund hat, ist in diesen Tagen privilegiert: der Vierbeiner darf ausgeführt werden, jedoch auch hier die Beschränkung auf ein Minimum. Im Almerimar Yachtie-Forum hat daraufhin gleich ein Schelm seinen Hund zum Gassi-gehen angeboten, stundenweise und gegen Entgelt natürlich😉. 

 

Kontrolliert wird das alles von der Policia Nacional und der Guardia Civil. Auf dem Weg zum Supermarkt – wir mussten dann doch am Donnerstag mal raus, um die in dieser Situation unverzichtbaren Bier- und Weinvorräte wieder aufzustocken – wird Sibylle auf dem Fahrrad von Militärpolizei in schusssicheren Westen gestoppt, mit der Frage ¿Dónde vas?. „Mercadona“ lautet die Antwort (Name einer großen Supermarktkette in Spanien) und mit einem bekräftigenden „Solo (nur, ausschließlich) Mercadona!“ darf sie ihren Weg fortsetzen.

Von den Ordnungshütern gestoppt und zurückgeschickt wird man auch, wenn man sich auf den Weg zu einer der Sanitäranlagen macht. Es entspinnt sich ein aufgeregter Dialog im Yachtie-Forum – einige Witzbolde raten dazu, einfach immer eine Einkaufstasche auf den Gang zu Dusche oder WC mitzunehmen … Schließlich erfährt man, ein Sonderpassierschein für diesen Zweck kann persönlich im Marina-Office abgeholt werden. Nachdem Sibylle ja schon zum Einkaufen raus durfte, macht sich Burkhard am Freitag auf den (leider recht kurzen) Weg zum Büro und kommt tatsächlich mit zwei vorausgefüllten und wichtig gestempelten Zetteln zurück. Wir freuen uns, zwar duschen wir eigentlich lieber an Bord, doch diese zusätzliche Bewegungsmöglichkeit ist sehr willkommen. Doch bereits einen Tag später kommt die Ernüchterung: Die Toiletten darf man zukünftig nicht mehr benutzen. Es gibt eine neue Verordnung die besagt, dass Kurzzeit-Urlauber das Land verlassen müssen, Langzeiturlauber dürfen bleiben, jedoch nur, wenn sie keine gemeinsamen Waschräume und Toiletten nutzen.

Das trifft besonders die Leute auf dem Yard, die mit dem Schiff an Land stehen und die eigenen Bord-Toiletten gar nicht benutzen können. Wir sind heilfroh, dass wir es noch rechtzeitig vor Inkrafttreten der Notstandsregeln wenige Tage zuvor wieder ins Wasser geschafft haben! Später sickert durch, dass man wohl eine Ausnahmeregelung für den Boatsyard gefunden hat – unter anderem lebt dort eine Familie mit drei Kindern ….  Allgemein setzt sich im Forum inzwischen endlich die Meinung durch, dass wir Ausländer den Ball flach halten und uns an die Bestimmungen halten müssen, sonst besteht Gefahr, dass man uns ausweist und „nach Hause“ schickt. Wie für viele andere Yachties auch – hier und überall auf der Welt – ist eine solche Perspektive der Supergau, denn viele haben wie wir kein anderes Heim als das Boot, auf dem wir leben.

Das Schicksal der Langzeitsegler in der aktuellen Situation ist bei den meisten Menschen, die nicht betroffen sind, gar nicht auf dem Radarschirm. Verständlich, bei all dem Leid, wirtschaftlicher Krise und Existenzängsten, die angesichts der ausbreitenden Krankheit ein jeder für sich bewältigen muss. Und naiv haben auch wir anfangs noch gedacht, in welch glücklicher Situation sind wir nun mit dem eigenen Boot, in Bezug auf Wasser- und Stromversorgung nahezu autark, und zur Verpflegung holt man sich zur Not ein paar Fische aus dem großen Teich und segelt davon. Nur wohin, wenn kein Hafen, keine Insel uns mehr aufnimmt. Mal ganz abgesehen davon, dass wir hier sogar schon beim Ausfahren gestoppt werden würden. Hier im Varadero (Boatsyard) steht ein Boot mit Einschusslöchern, von dem man sich erzählt, es habe die Anweisungen der Küstenwache nicht befolgt ….

Das Ausmaß der Beschränkungen hat tatsächlich auch für die Blauwasser-Segler weitreichende Folgen. Wären wir jetzt noch in der Karibik unterwegs wie einige unserer Freunde, gäbe es aktuell kaum einen sicheren Zufluchts-Ort für die Hurrikan-Saison mehr, die meisten Inseln haben dichtgemacht, als eine der ersten die Insel Grenada, die viele gern als Unterschlupf während der gefährlichen Monate nutzen, um gegebenenfalls dann noch weiter nach Süden ausweichen zu können. Inzwischen kann man die Insel allerdings wieder anlaufen, wenn man sich einer vierzehntägigen Quarantäne unterzieht. Und wer sich entschlossen hat, in diesem Frühjahr nach Europa zurück zu segeln, so wie die Crew von der anderen „ITHAKA“ https://sy-ithaka.blog/2020/03/20/gelbe-flagge-q-in-zeiten-von-corvid-19/, sieht sich unter anderem damit konfrontiert, dass sowohl Bermudas als auch Azoren niemanden mehr aufnehmen, die Azoren kann man lediglich noch für einen Zwischenstopp am Anker anlaufen, wobei man das Schiff nicht verlassen darf – trotz Selbstisolation an Bord während der Überfahrt, die je nach Schiff und Ausgangshafen in der Regel mindestens 14 Tage beträgt. Immerhin wird frischer Proviant ans Schiff geliefert, Diesel und Wasser bekommt man auch noch für die Weiterfahrt zum europäischen Festland. Und bei unseren Freunden in der Südsee, Australien und Neuseeland sieht es zumeist nicht wesentlich entspannter aus. Ganz viele können ihre Törnpläne in diesem Jahr nicht wie geplant umsetzen. Schlimmer noch: wenn man nun in sein Heimatland reisen muss oder will, sofern das überhaupt noch möglich ist, kommt man in der nächsten Zeit nicht mehr zurück an Bord. Paare und Familien sind bereits auf unbestimmte Zeit auseinandergerissen. Wen das Thema interessiert, anbei ein paar willkürlich ausgewählter Links kürzlicher Veröffentlichungen zu den Nöten der Segler.

Klarstellen wollen wir an dieser Stelle aber unbedingt auch: zumindest im Moment haben wir hier nichts auszustehen. Wir sind gesund, die Versorgung mit Lebensmitteln funktioniert und unsere größten Sorgen gelten tatsächlich Sibylles Eltern – werden sie verschont bleiben? –, den Familienmitgliedern und Freunden und allen anderen, die schon jetzt finanzielle Einbußen erleiden oder gar aufgrund der Krise in Existenznöte geraten.  

Und was macht man dann so den ganzen Tag an Bord, wenn es auch noch wie in diesen Tagen aus Kübeln schüttet? Nun – kaum zu glauben, aber Burkhard empfindet inzwischen das Geschirrspülen als willkommene Abwechslung😉! Schade – nach einigen eher kontaktarmen Wintermonaten in der Marina von Valencia hatten wir uns so sehr darauf gefreut, hier in Almerimar mit unseren holländischen Freunden von der „Rasant“ und den neuen Freunden von der „GLEC“ ein paar gesellige Wochen zu verbringen bis zum Saisonstart. Nun ist die Kommunikation nur noch per Telefon oder elektronische Medien möglich.

Kurz vor dem Shutdown haben wir uns eine Satellitenschüssel bestellt. Eigentlich für den Gebrauch an Land vorgesehen, aber die teuren Dinger fürs Boot können und wollen wir uns nicht leisten. Bis auf die lange Phase an Land auf den Azoren im vergangenen Sommer gab es auch wenig Bedürfnis nach Fernsehen. Heute finden wir es sehr angenehm, vor allem auch die deutschen Nachrichten regelmäßig zu empfangen und sich mit einem Film abzulenken. Das funktioniert allerdings nur an windstillen Tagen, da bereits geringfügige Bootsbewegungen das Bild zum Einfrieren bringen 😊. Ansonsten wird halt viel gelesen. Sibylle probiert neue Kochrezepte und hat sich ganz dem Nähen verschrieben. Gestern hat sie auch eine Nähanleitung für einen Mundschutz im Internet gefunden. Die Produktion startet heute noch.

Und endlich, endlich mal wieder einen Artikel für die Website fertiggestellt! Da gibt es auch noch den ein oder anderen halbfertigen Beitrag, den wir nun als Rückblick hoffentlich in den nächsten Tagen mal endlich veröffentlichen werden – denn auch unsere Familie und Freunde zu Hause haben ja jetzt viel Zeit zum Lesen …. Übrigens – während wir hier schreiben, wurde soeben eine Verlängerung des Ausnahmezustands um weitere 15 Tage bis Mitte April angekündigt. Da hoffen wir mal, dass das Wetter bald wieder besser wird, damit wir wenigstens an Deck regelmäßig ein paar Turnübungen für die Fitness machen können.

Bitte bleibt gesund, wo immer Ihr auch seid – auf dem Boot oder anderswo.

Unsere Baustelle

Kleine Tropfen perlen stetig an der Innenseite des Skeg (Erläuterung siehe unten) durch das GFK-Material in die Bilge (hier: link zum Video). Nicht übermäßig viel, vielleicht maximal ein halber Liter am Tag, jedoch nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen sollte, an solch einer sensiblen Stelle. Unsere französischen Segelkollegen und Spezialisten hier vor Ort sehen das zunächst unkritisch, doch der Hersteller Hallberg Rassy wie auch die Versicherung empfehlen, auf gar keinen Fall die knapp 900 Meilen bis zum portugiesischen Festland ohne die erforderliche Reparaturmaßnahme anzugehen. Als wir am 11. Juni kurz in den Kran gehoben werden, bestätigen sich die ärgsten Befürchtungen: beim Klopfen mit dem Schraubenzieher tritt braunes Wasser durch einen kaum sichtbaren Riss an der Rückseite des Skeg aus (hier: link zum Video). Da gibt es also tatsächlich eine Undichtigkeit – das Wasser kommt von außen und ist nicht, wie bis zuletzt noch gehofft, über das Ruderlager eingetreten und hat sich von innen den Weg durchs Material gebahnt.

Der Skeg – oder auch Ruderleitflosse, ist der schlanke Auslauf des Unterwasserschiffes oder eine starre Flosse am Heck eines Bootes oder Schiffes in Längsrichtung. Bei älteren Konstruktionen ist an ihm das Ruder befestigt. Bei moderneren Booten dient es nur dem Schutz des Ruders und verbessert dessen Anströmung (aus Wikipedia, Skeg, 6. Januar 2019 um 05:43 Uhr). Bei unserem Schiff ist das so ein Mittelding, ein halber Skeg, der das darunter freistehende Ruder hält und lagert und somit zusätzlich schützt. Siehe Foto oben.

Wir haben also ein ernsthaftes strukturelles Problem. Ursache unbekannt. Eine Berührung halten wir nicht für ausgeschlossen, Wind und vor allem Welle verursachen auf der Überfahrt eine derartige Geräuschkulisse, dass man eine Kollision gar nicht unbedingt bemerken würde. Auch wird man regelmäßig hart gestoppt von einer Welle – oder ist es doch ein Wal gewesen? Die vorliegende sieben-seitige (!) Reparaturanleitung des Herstellers bringt unsere Versicherung zu der Vermutung, dass es sich um eine bekannte Konstruktionsschwäche in Verbindung mit Materialermüdung handelt. Zumal zunächst keine offensichtlichen Spuren eines Zusammenstoßes erkennbar sind.

Das ändert sich mit dem Gutachten, welches schließlich von der Versicherung in Autrag gegeben wird. Der Gutachter entdeckt einen Riss im Ruderblatt, den er, wie auch die Risse an der Skeg-Rückseite auf eine Berührung am unteren Ruderende zurückführt. Das Laminat im Skegbereich ist an den Seiten völlig intakt, von Verschleiß kann überhaupt keine Rede sein. Trotz allem wird der Schaden nicht als Versicherungsfall anerkannt – wiewohl die Versicherung sich letztendlich zur Zahlung einer Abschlagssumme bereit erklärt, die zumindest einen Teil der Kosten decken wird.

Dass hier auf den Azoren die Uhren anders ticken, und es nach der Identifizierung des Problems insgesamt fast 3 Wochen dauert, bis wir endlich am 25. Juni einen Stellplatz an Land bekommen, hat unsere Geduld gleich zu Anfang auf eine harte Probe gestellt.

Darüber hinaus ist es ein mühsamer und langwieriger Lernprozess für uns, bis wir schließlich verstanden haben, dass uns hier vor Ort augenscheinlich niemand helfen kann oder will. So eröffnet uns der empfohlene und beauftragte „Experte“ (Emanuel Oliveira, Firma Nautitec) schließlich am 03. Juli – das heißt ganze vier (!) Wochen nach der Erstbesichtigung des Schadens -, dass er sich die Reparatur entgegen seiner bisherigen großspurigen Aussagen gar nicht zutraut. Er habe noch nie mit Epoxy gearbeitet und verstehe auch die Reparaturanleitung von Hallberg Rassy nicht, die wir ihm gleich zu Beginn an die Hand gegeben haben. Deshalb haben wir trotz täglicher Nachfrage auch bis dahin von ihm weder einen Zeitplan noch einen Kostenvoranschlag für eine Reparatur erhalten. Unfassbar.

Die Vorarbeiten des Herrn Oliveira bis zum 03.07.2019.

Andere Handwerker, auch auf anderen Azoren-Inseln, sind bis zum Winter ausgebucht. Ob man ihnen überhaupt die Reparatur zutrauen kann, wissen wir nicht. Außerdem sind die erforderlichen Materialien hier nicht vorrätig und müssen vom Kontinent per Schiff transportiert werden (Gefahrgut geht normalerweise nicht im Flugzeug). Herr Oliveira hat trotz Auftrag das Material nicht bestellt und so sind die Wochen nutzlos verstrichen. Da stehen wir nun, das Ruder ist ausgebaut, mal eben zurück ins Wasser können wir also auch nicht.

In unserer Verzweiflung hilft uns mal wieder Tom Logisch (https://www.tomlogisch.com/). Mit seiner Unterstützung nehmen wir Kontakt zu spezialisierten Werften in Deutschland und Dänemark auf, die helfen wollen. Allerdings können wir niemanden einfliegen, bevor nicht das Material verfügbar ist. Außerdem ist inzwischen Urlaubszeit, und Mitarbeiter der Werften erst nach den Sommerferien wieder abkömmlich. Wir bemühen uns also zunächst mal um die Materialbestellung, was sich trotz Vermittlung unseres Freundes Michael von der Ariranha und sehr bemühter Mitarbeiterinnen bei der Firma Von Der Linden als äußerst zeitaufwändig herausstellt.

Um die Bestellung zu beschleunigen, ordern wir schließlich Luftfracht für Gefahrgut zu unvorstellbaren Kosten – gut das Doppelte des Materialwertes. Mit dem Erfolg, dass der gesamte Bestellprozess im Endeffekt genauso lange dauert, wie der Schiffstransport. Die Spedition Kühne & Nagel hat dabei keine rühmliche Rolle gespielt: von schleppender Angebotserstellung, über Zollpapiere, die gar nicht benötigt wurden bis hin zu der Tatsache, dass wir trotz immenser Frachtkosten das Material schließlich selbst am Flughafen in Ponta Delgada abholen müssen! So schreiben wir bereits den 16. August, als wir das Material endlich in Händen halten.

Die Werftmitarbeiter der zwischenzeitlich beauftragten Werft in Deutschland sind zwar nun aus dem Urlaub zurück, aber hier in Ponta Delgada ist Hochsaison und kein Hotelzimmer mehr zu bekommen, es sei denn im Mehrbettzimmer einer Art Jugendherberge. Und das Wetter im August ist so unbeständig, dass sich Zeitpunkt und Dauer des Aufenthalts nur sehr schwer bis gar nicht planen lassen. 

Da kommt uns völlig unerwartet Thomas Dargel von BoatSailService http://www.boatsailservice.com/, hier in Ponta Delgada ansässig, zur Hilfe. Für den gelernten Bootsbauer neigt sich die Hauptsaison inzwischen dem Ende zu und er hat nun doch Kapazität frei, um unsere Reparatur durchzuführen, mit fernmündlicher Unterstützung der Werft aus Deutschland, falls erforderlich. So starten die Arbeiten dann endlich am 19. August innen mit der Demontage von Teilen der Achterkajüte und des Auspuffrohrs, um überhaupt Zugang zu den zu laminierenden Flächen zu bekommen.

Thomas Dargel arbeitet sehr gut und gründlich, schnell hat er unser volles Vertrauen. Das Abschleifen des Laminats innen wird allerdings zum Alptraum für alle Beteiligten: zentimeterdick liegt der Feinstaub überall in der Kajüte und muss ständig mit Staubsauger und nassen Lappen entfernt werden. Trotz der Installation einer riesigen Absauganlage. Hiermit wird lediglich der aufgewirbelte Staub nach oben gesogen, der ansonsten die Sicht beim Arbeiten einschränken würde. 

Beim Putzen trägt auch Sibylle eine Atemschutzmaske, das Einatmen des Glasfaserstaubs ist äußerst gefährlich. Der Staub, der an Armen und Beinen hängen bleibt, piekt entsetzlich, auch nach dem Abduschen. Und trotz Verklebung der Tür zum Salon dringen auch hier immer wieder Staubpartikel bis zum Navi-Tisch vor.

Fortschritt der Arbeiten innen:

Insgesamt sind die Arbeiten sehr zeitintensiv. Innen wie außen muss abgeschliffen und neu auflaminiert werden. Der Skeg wird zunächst von außen bis zur stützenden Traversale von hinten ausgebohrt. Innen kommt der Bandschleifer zum Einsatz, den uns ABC-Teilnehmer Bernard von der Segelyacht „Hyperion“ am 20. August netterweise aus Frankreich mitbringt, denn hier ist so ein Werkzeug nicht zu kriegen. Dann wird innen der Skeg mit Epoxy aufgefüllt und innen wie auch außen herum weiter laminiert. Allein das Schneiden der Laminatstreifen nimmt Stunden in Anspruch. Burkhard hilft Thomas beim Schneiden und assistiert draußen mit kleinen Handreichungen. Innen hat selbst der schlanke Thomas kaum Platz zum Arbeiten – oft bereut er lautstark, den Auftrag angenommen zu haben.

Fortschritt der Arbeiten außen:

Das Laminieren mit Epoxy ist knifflig und zeitraubend bei der hohen Luftfeuchtigkeit hier, und so gab es am Freitag mal wieder einen herben Rückschlag: der Aufbau am Ruderblatt ist nicht vernünftig getrocknet und muss neu gemacht werden – das wirft uns mindestens wieder um einen Tag zurück. Trotzdem gehen wir davon aus, dass wir spätestens zum Ende der kommenden Woche wieder schwimmen können. 

Der Rückbau innen ist fast komplett, trotz erheblicher Schwierigkeiten, da einige Holzbauteile wegen des veränderten Bilgen-Niveaus neu zu- und ausgeschnitten werden mussten. Und außen können wir jetzt schon mit Primer und  Antifouling starten. Es sieht endlich so aus, als könnten wir bald wieder in See stechen. François von der ABC-Organistion bereitet derweilen schon das Wetter-Routing für uns vor ….

1000 Tage an Bord – Wir (er)zählen

Heute Freitag, 13. September 2019, sind es genau tausend Tage her, dass wir unser Domizil dauerhaft an Bord unseres Segelbootes aufgeschlagen haben. Nicht immer mit romantischem Sonnenuntergang, aber oft. Nicht durchgehend waren wir an Bord, aber meistens.

An 85 Tagen war mindestens eine(r) von uns unterwegs – in Köln oder anderswo. Ab und zu braucht man den Abstand, insbesondere wenn man wie hier in Ponta Delgada so lange an Land steht.

Im Juli haben wir uns einen richtig schönen Kurzausflug nach Lissabon gegönnt. In einer netten kleinen Wohnung mitten in Lissabons Altstadtviertel Alfama gewohnt, Kirchen, Festung und Klöster besichtigt, zu (fast) jedem Aussichtspunkt gelaufen, im Getümmel geschwelgt. Das hat mal gutgetan.  Eigentlich wollten wir dort ja mit dem Schiff anlanden, aber daraus wird zumindest in diesem Sommer nichts. 

Sibylle hat zuvor spontan noch ein paar Tage mit ihrer Schwester in Sant Feliu de Guíxols an der Costa Brava verbracht – einfach nur chillig, mediterranes Flair, erinnert ein bisschen an Toskana, einen solchen Ort würde man an dieser ansonsten leider sehr verbauten und verbrauchten Küste kaum vermuten.

ITHAKA auf dem Drydock in Ponta Delgada. Siehe auch Webcam mit Ansicht vom alten Hafen.

Insgesamt haben wir von den tausend Tagen 135 lange Tage an Land gestanden, das ist ganz schön viel. Nicht immer war es so unkomfortabel wie jetzt, oft sind Sanitäranlagen nach dem Herabklettern der Leiter in wenigen Schritten zu erreichen, und nicht wie hier mehrere hundert Meter entfernt – das ist schon extrem lästig. Und hier leiden wir seit Beginn der Arbeiten ja auch unter der zusätzlich eingeschränkten Bewegungsfreiheit an Bord. Unsere Schlafkajüte hinten mussten wir komplett ausräumen, die Schränke und Schapps sind alle mit Folie zugeklebt. Die Matratzen liegen seitdem auf dem Tisch im Salon, wir sind in die vordere Kabine umgezogen. Da geht fast nichts mehr.

Apropos – an 134 Tagen hatten wir mindestens einen, maximal zwei Gäste an Bord. Jedes Mal freuen wir uns riesig über die Gesellschaft, die gemeinsamen Unternehmungen, das Erlebnis zu teilen. Doch auch hier immer wieder nicht nur eine logistische Herausforderung, mit Vereinbarung eines passenden Treffpunktes sowie die erforderlichen Umräumarbeiten an Bord. Sondern auch die zusätzliche Verantwortung für das Wohl der Familie und Freunde, und das Management der atmosphärischen Schwankungen auf engem Raum … Das ist schon zu zweit zuweilen eine echte Prüfung – auch wenn wir hier ja eigentlich freiwillig Tag für Tag zusammenleben.

An mehr als der Hälfte der Tage, nämlich an 553, haben wir für längere Zeit im Hafen gelegen. Gezwungenermaßen natürlich im Winterquartier, für Reparaturarbeiten, oder auch aus gesundheitlichen Gründen wie im Sommer 2017 in Rhodos.

Nicht gezählt sind hierbei die Hafentage, wo wir den Anleger am Steg oder Kai nur als Zwischenstopp genutzt haben. Diese ergeben zusammen mit den Tagen „auf Reede“ (in der Bucht am Anker hängend) insgesamt 260 Tage.

Demgegenüber stehen 52 volle Tage auf See, also Tage, an denen wir 24 Stunden und länger unterwegs waren. Die meisten See-Tage haben wir naturgemäß auf den zwei Atlantiküberquerungen absolviert, im Mittelmeer waren es insgesamt nur drei Nachtfahrten.

Alles zusammengenommen sind wir in der Zeit bisher 10.869 nautische Meilen gesegelt, das entspricht 17.535 Kilometer, knapp 70% davon unter Segeln. Man bedenke, dass wir – wenn es richtig gut läuft – pro Stunde im Schnitt 6-7 Meilen (10-11 km) zurücklegen, in aller Regel sind es deutlich weniger.  Also mit dem Fahrrad ist man in jedem Fall schneller!

Wir haben inzwischen jeder drei Mal an Bord Geburtstag gefeiert (die Deko wird übrigens jedes Jahr wiederverwendet, auch bei Geburtstagen von Gästen, für Foto hier klicken 😉). Wir merken, dass wir beide älter werden, insbesondere der Augenarzt ist mal wieder fällig, bei nächster Gelegenheit, wenn wir in Deutschland sind. Aber noch sind unsere müden Knochen flexibel genug, um den Bordalltag auf engem Raum und den Herausforderungen des Segelns standzuhalten.

Gott sei Dank hat es nach den schwierigen Ereignissen im Jahr 2017, mit Burkhards Operationen an Rücken und Leiste in Athen, kaum gesundheitliche Probleme gegeben – toi-toi-toi!

Häufig ist es auch eher die Psyche, die uns einen Streich spielt. Zum Beispiel, wenn aus dem nichts die Panik aufkommt, vor einem längeren Törn, oder wenn wir ohne funktierenden Motor und Steuerung auf dem Atlantik treiben. Oder wenn ins Bewusstsein dringt, dass man sich gerade mal circa 2.500 km entfernt von jedwedem rettenden Ufer aufhält und mindestens 5 Kilometer Wassersäule sich unter dem Schiff befindet. Den Elementen Wasser und Wind ist nicht viel zu trotzen, man muss sie respektieren und mit ihnen, nicht gegen sie navigieren. Welche übermäßigen und unberechenbaren Kräfte die Elemente hervorbringen können, hat gerade wieder „Dorian“ auf traurige Weise gezeigt.

Nicht gezählt sind die vielen schönen Sonnentage, ebenso wenig die Regentage oder Tage, an denen mal wieder irgendwas nicht funktioniert hat oder kaputt gegangen ist und repariert werden musste.

Und dankenswerter Weise sind wir bislang nur ein einziges Mal bestohlen worden. Hoffen wir mal, dass das so bleibt. Vor einer Woche, hier auf dem Trockendock, hat uns jemand den kleinen Tretroller unter dem Boot weggeklaut, während wir oben im Cockpit gegessen haben. Schon ganz schön dreist. Mit Einbruch der Dämmerung haben wir den Scooter natürlich immer angekettet, aber tagsüber eher nicht. Den Gang zur Polizei hätten wir uns sparen können, die Videoanlage am Ausgang zum Yachtclub ist `überraschenderweise` außer Funktion, die Video-Bänder der Marina harren noch der Überprüfung. Nicht, dass wir glauben, die Untersuchung würde uns weiterhelfen. Aber wir spekulieren schon auf erhöhte Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte, die das Gelände kontrollieren sollen.

Selbstverständlich gezählt sind unsere richtig dicken Fische 😊! Da gab es insgesamt drei Fänge, die jeder 8-12 Kilo auf die Waage gebracht haben. Und mindestens drei weitere, mit deutlich mehr als 3 Kilo Gewicht. Und eine ganze Reihe kleinerer auch. Dafür, dass Sibylle als blutiger Laie in das Schlepp-Angeln eingestiegen ist, eine beachtliche Ausbeute. Aber natürlich haben wir dank der Versorgung durch Sibylles Bruder Christoph Zugriff auf ausgezeichnetes Material und Anleitung. Allerdings ist da noch ganz viel Luft nach oben:

Unsere Ausbeute von tausend Tagen erledigt der erfahrene Angler und Speerfischer mit ebenfalls versierter Ehefrau und Crew in einem Dreiwochen-Törn in den Kykladen (hier: Link zum Foto). Aber wir werden aufholen, sobald wir wieder flott und unterwegs sind!

„Ihr seid mutig“, das hören wir manchmal – und ehrlich gesagt: das finden wir auch! 😉 Nicht allein wegen des Segelns, dafür begeistern sich heutzutage außerordentlich viele Leute, auch gibt es erstaunlich viele Langfahrtsegler, so wie wir. Häufig sehr besondere Menschen. Ungezählt die schönen Momente und Begegnungen, wie auch die immerwährenden Abschiede.

„Mutig“ insbesondere auch wegen all dem, was wir vor 1000 Tagen aufgegeben und hinter uns gelassen haben. Aber wir würden es immer wieder genauso machen wollen. Auch wenn wir oftmals traurig sind, dass wir unsere Lieben in der Heimat so selten sehen. Mit Wehmut grüßen wir heute alle, die tapfer `zu Hause` seit tausend Tagen die Entfernung ertragen und unser Abenteuer unterstützen.

Dass der tausendste Tag an Bord auf einen „Freitag, den Dreizehnten“ fällt, werten wir als glückbringende Vorbedeutung für die nächsten tausend Tage – das werden wir heute Abend mit einem sehr, sehr großen Schluck für Poseidon begießen! Prost!

37° 44′ 31″ N, 25° 40′ 3″ W: Alcatraz …. – oder was?

Ponta Delgada, São Miguel, Azoren. Wenn man nicht freiwillig lange an einem Ort verweilt, ist zwangsläufig das objektive Empfinden für die Reize des Standortes getrübt und verfärbt durch den Wunsch, einfach nur dort wegzukommen. Da sitzen wir jetzt seit zwölf Wochen auf einer kleinen Insel mitten im Atlantik fest, unvorstellbare 66 Tage stehen wir davon mit dem Schiff an Land. Unser persönliches Alcatraz. Womit haben wir das verdient? Während andere Segler gemäß dem oft zitierten Spruch ihre Boots-Reparaturen an den schönsten Orten der Welt durchführen, scheinen wir überproportional häufig an Orten festzuhängen, die man eigentlich doch eher zügig wieder verlassen möchte – so zum Beispiel auch unsere wochenlangen ungeplanten Aufenthalte in Almerimar und in der „malerischen“ Marina von Las Palmas im vergangenen Herbst.

Tatsächlich tut man Ponta Delgada und auch der Insel damit unrecht. Anfangs hadern wir jedoch sehr: nach der karibischen Wärme mit viel Sonnenschein drückt – zusätzlich zu unserem Problem mit dem Schiff – vor allem das Wetter auf unsere Stimmung. Während in Deutschland und Europa eine Hitzewelle die andere jagt, ist es hier im Juni und der ersten Juli-Hälfte kühl, grau und oft regnerisch.

(Polyglott on Tour: Reiseführer Azoren von Susanne Lipps-Breda)

Das Azorenhoch. Auch wir waren bisher in dem Irrglauben befangen, dass die nach den Inseln benannte Wetterlage natürlich nicht nur bei uns in Deutschland, sondern vor allem auch hier vor Ort für das bekannte strahlend schöne Wetter sorgt. Weit gefehlt. Tatsächlich könnte man meinen, hier sei das Aprilwetter erfunden worden.  Durch den Golfstrom geprägt, gibt es schnelle Wechsel von Warm- und Kaltfronten, äußerst sprunghaftes Wetter ist die Folge. Und so werden in Ponta Delgada mindestens 970 mm Niederschlag im Jahresmittel gemessen (wetter.de, es gibt andere Quellen die noch deutlich höhere Mengen verzeichnen), in Deutschland sind es im Jahresmittel nur 800 mm (umweltbundesamt.de), im besonders regenarmen letzten Jahr waren es lediglich 590 mm.

Was uns jedoch von Anfang an begeistert, ist die einfache und ehrliche portugiesische Küche. Nach den meist überteuerten – und häufig nur mäßig überzeugenden – karibischen Restauranterlebnissen eine echte Offenbarung. Wir schwelgen in Oktopus, Muscheln und Thunfisch. Lapas – gegrillte Napfschnecken mit viel Knoblauchbutter und Zitrone – ist eine regionale Meeresfrüchte-Spezialität und echt lecker mit einem Glas frischen Weißwein. Apropos Wein: welch unendliche Vielfalt, auch schon für ganz kleines Geld, selbst im Restaurant.  

Und was den Skipper besonders freut: ein wohlschmeckendes kühles Helles von den Azoren kostet weniger als ein Kölsch zuhause. Geschweige denn im Vergleich zur Karibik, wo man für eine kleine Dose oder Fläschchen Bier auch im Supermarkt bis zu 1,50 Euro hinblättern musste.

Auf den saftigen grünen Hügeln gedeihen hier auf den Azoren jede Menge Rindviecher: gemäß einer Zählung im Jahr 2011 sind es sogar gut zweitausend Tiere mehr als Einwohner. Daher kann man hier ausgezeichnetes Rindfleisch und sehr guten Käse genießen. Jede Azoreninsel hat ihre eigenen, ganz besonderen Käsesorten. Über das Inselarchipel hinaus berühmt ist der Queijo de Sao Jorge, von gleichnamiger Insel. Als Vorspeise isst man gern einen weißen Frischkäse mit Paprikamark.

Inzwischen ist auch auf Sao Miguel der Sommer angekommen. Und mit der Hochsaison massenhaft Touristen, von überall aus der Welt, aber vor allem auch azoreanische Auswanderer-Familien verbringen hier ihren traditionellen Augusturlaub. Man liest, dass allein zwischen 1970 und 1980 gut 60.000 Menschen von den Azoren nach USA und Kanada ausgewandert sind, das entspricht 20% der damaligen Bevölkerung (Susanne Lipps-Breda: DuMont Reise-Taschenbuch Reiseführer Azoren 2019). Kein Wunder also, dass die Rindviecher inzwischen in der Überzahl sind 😉

Die Bars und Restaurants sind rappelvoll, so dass wir trotz erschwerter Umstände inzwischen wieder häufiger an Bord kochen. Einkaufsmöglichkeiten sind fußläufig, einige kleinere Supermärkte, die auch in unmittelbarer Nähe zur Marina ganz normale Preise haben. Und dann gibt es einen bunten überdachten Bauernmarkt: Mercado da Graça. Hierher kommen wir oft, genießen einen frischgepressten Becher Orangensaft und decken den täglichen Bedarf an Obst und Gemüse. Unsere Kühlmöglichkeiten sind derzeit stark begrenzt, da unser Bordkühlschrank ja bekanntlich mit Seewasser gekühlt wird und daher an Land nicht betrieben werden kann. 

So gehen wir fast täglich zum Einkaufen, auch der gekühlten Getränke wegen.

Unter den Metzgerläden an der Seite der Markthalle haben wir inzwischen einen „Lieblingsmetzger“ gekürt. Neuerdings bekommen wir zu unserem Rindersteak immer noch eine leckere Zugabe: „Meat Cheese“. Hat mit unserem süddeutschen Fleischkäse allerdings nichts gemeinsam – hier werden gegrillte Fleischstückchen zu einer Art rundem Kuchen zusammengepresst und als Torte aufgeschnitten. Schmeckt köstlich als Snack zum kalten Bier.

(Bild oben: der Metzger unseres Vertrauens)

Damit wir nicht vereinsamen in unserer beschaulichen und verlassenen Ecke am Ende des Piers in der Marina Pero de Teive, stürzen wir uns auch gern mal ins Getümmel. In Ponta Delgada feiert man viel, an kirchlichen und anderen neu geschaffenen Feiertagen. Außerdem gibt es jede Menge Kultur, vor allem Musikkonzerte. Bei den Umzügen, zum Beispiel an Fronleichnam, spielen kunstvolle Blumen- und Blütenarrangements eine wichtige Rolle und sorgen für farbenprächtige Inszenierung.

Sehr besonders und mit viel Lokalkolorit kommt der Umzug anlässlich der vor 16 Jahren ins Leben gerufenen „Festas do Divino Espirito Santo“ daher. Ein schier endloser Tross von blumengeschmückten, entsetzlich quietschenden Ochsenkarren zieht die Promenaden-Straße entlang. Jede Gemeinde der Insel präsentiert sich mit Trachten, Tieren, landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Aus großen Körben wird süßes Brot an die Zuschauer verteilt. 

Ponta Delgada - „Festas do Divino Espirito Santo“
Ponta Delgada - „Festas do Divino Espirito Santo“
 „Festas do Divino Espirito Santo“ - Waschfrauen von S. Antonio
Ponta Delgada - „Festas do Divino Espirito Santo“

Am 03. August verwandelt sich Ponta Delgada (PDL) in einen `Traum in Weiß`. Anlass ist das Festival „PDL White Ocean“, das in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfindet. Auf mehr als zwanzig Musikbühnen über die Stadt verteilt wird die ganze Nacht Musk gespielt. Gassen und Plätze der Altstadt sind mit weißen Meeres-Lebewesen geschmückt: Quallen, Delfine, Wale. Weiße Läufer bedecken die alten Pflastersteine, darüber flaniert die Menschenmenge und feiert – weiß gekleidet. Getränke bekommt man gegen Bons an den erleuchteten Barstationen, die ebenfalls extra für diesen Zweck aufgebaut sind. Eine wunderbare Stimmung, vor allem am Hauptplatz bei den Stadttoren, wo wir fast bis Mitternacht auf den Start der Musik warten. Einen Sitzplatz zu ergattern ist fast unmöglich, wir sind schließlich dankbar für ein kleines Fleckchen auf der Kaimauer, halb verdeckt von einem Imbisswagen. Dort treffen wir auch eine Auswanderer-Familie, die aus Kanada zum Urlaub in der ehemaligen Heimat weilt.

Sie erzählen uns von den schrecklich geringen Verdienstmöglichkeiten auf der Insel, und dass es trotzdem keinen sichereren Ort gibt auf der Welt als Ponta Delgada. Lange hören wir auch an Bord noch bis früh in den Morgen die Musik von der Bühne gegenüber in der Marina.

Auch ohne die „White Ocean“-Dekoration ist Ponta Delgada ein netter Ort mit urbanem Flair. Wie man uns sagt, die einzig wirkliche Stadt auf den Azoren. Wir hätten es also schlimmer treffen können. Hier ist der Sitz der Provinzialregierung und der Hauptort der 1976 gegründeten Universität der Azoren.

Malerisch die beleuchtete Hauptkirche Igreja Matriz de São Sebastião am Abend. Viele kleine Restaurants in der Altstadt, die nicht nur von Seglern und anderen Touristen meist gut besucht sind. Gedrängel auf den schmalen Bürgersteigen der Hauptgeschäftsstraße, die ein paar Blocks oberhalb der Marina verläuft.

Für Atmosphäre sorgen auch die typisch portugiesischen Pflastersteine, die aus hellen und dunklen Quadern zu Mustern gelegt sind. Auch wenn das Laufen darauf nicht besonders angenehm ist – von jahrhundertelanger Benutzung gefährlich glatt geschliffen. Und unseren kleinen Tretroller kann man auf dem unebenen Untergrund schon gar nicht gebrauchen, einmal schon hat sich Sibylle vor der Kirche damit auf die Nase gelegt 😊.

 

Der Hafen von Ponta Delgada spielt durch die Insellage seit jeher eine zentrale Rolle und wurde seit der Stadtgründung wiederholt ausgebaut, vergrößert und befestigt. Es herrscht reger Frachtverkehr zwischen den Azoreninseln und dem Festland. Wenn gegenüber am Frachtterminal Zement abgeladen wird und der Wind ungünstig steht, kann man schon mal eine Nase davon abbekommen. Auch Kriegsschiffe sind regelmäßige Gastlieger. Also nicht unbedingt eine malerische Kulisse, die landseitig von etlichen modernen Hotelklötzen beherrscht wird. Mit dem jüngsten Ausbau des Hafens in 2008 wurde die Liegefläche vervierfacht und bietet nun Platz für 640 Yachten. Gleichzeitig entstand ein modernes Kreuzfahrtterminal. Problem der neuen Marina ist ein starker Schwell,  der sich bei südöstlichen Winden aufbaut und die Schiffe gefährlich tanzen lässt.

Wenig verlockend scheint uns auch das Bad im Marina-Becken, das mangels eines Strandes von den Einheimischen nicht nur an den Sonnentagen gern genutzt wird. Anders als auf den kanarischen Inseln sind Strände auf den Azoren eher die Ausnahme. Meist spielt sich das Badevergnügen von in den Felsen gegossenen Betonplattformen aus ab. Wegen der starken Strömung gibt es an ausgewiesenen Badestellen auch immer 1-2 Lifeguards, die ihren Job durchaus ernst nehmen. Wir haben wenig Lust auf die dunklen Fluten und nutzen dann lieber einige Male das unmittelbar oberhalb liegende Freibad. Das Haupt-Becken ist riesig groß und so ist angenehmes Schwimmen auch während der Schulferien möglich. Eine Liege kostet zwar fast so viel wie der Tageseintritt, aber wir gönnen uns die wenigen Male Entspannung mit Blick auf unser Schiff auf der Pier gegenüber.

Zur Ablenkung genehmigen auch wir uns, wie die meisten Touristen hier, eine Whale-Watching Ausfahrt – einer der wenigen Insel-Ausflüge bisher, denn die Organisation unserer Reparaturarbeiten lässt uns wochenlang kaum Luft für große Unternehmungen. Kein ganz preiswertes Vergnügen, doch der Veranstalter bietet eine kostenlose Zweitfahrt an, sollten sich doch gar keine der versprochenen Tiersichtungen materialisieren, zu denen allerdings nicht nur Wale, sondern auch Delphine zählen. Irgendwo haben wir gelesen, dass bei circa 65% solcher Ausfahrten hier Wale gesichtet werden – und wir haben Glück. Zwei Pottwale, vermutlich ein Weibchen und ein Jungtier, können wir über längere Zeit immer wieder auftauchen sehen. Dazu einige größere Delphinschwärme – eine richtig gelungene Abwechslung, denn auch das Wetter spielt ausnahmsweise mit.

Eigentlich hatten wir gehofft, dass wir spätestens Ende August wieder im Wasser wären, doch im Moment ist leider immer noch kein Ende der Reparatur-Arbeiten abzusehen. Immerhin haben wir vor kurzem überhaupt jemanden gefunden, der die Arbeiten hier kompetent durchführen kann. Zwischendurch hatten wir sogar geplant, einen Spezialisten von einer deutschen Werft eigens hierfür einzufliegen. Doch in der Hochsaison ist hier im näheren Umkreis tatsächlich kein einziges Hotelzimmer mehr zu bekommen. Und auch das launische Wetter mit den vielen Niederschlägen und der hohen Luftfeuchtigkeit macht die Planung einer solchen kostenintensiven Resource fast unmöglich, denn bei Regen muss die Arbeit ruhen, laminieren ist unmöglich, zumindest im Außenbereich. So haben wir uns mit der Werft aus Deutschland geeinigt, dass sie zunächst fernmündlich auf Stand-by bleiben. Vielleicht müssen wir aber dennoch für zusätzliche Unterstützung sorgen, denn das geht uns alles hier viel zu langsam.

Atlantic Crossing – die Zweite.

Unser Weg von West nach Ost bis nach Sao Miguel ist 2.482 Meilen lang, die wir in 18,3 Tagen zurücklegen. Häufige Flauten sorgen dafür, dass unser Durchschittstempo mit 5,65 Knoten (Meilen pro Stunde) einen halben Knoten unter dem des Hinwegs liegt, dennoch gibt es vor allem am Anfang und Ende der Strecke frischen Wind, wo wir mit 6-7 Knoten im Mittel richtig flott segeln können.

Anmerkung der Redaktion:

  • Einige technische Begriffe in diesem Beitrag sind zu einem kleinen Segellexikon für Nicht-Segler verlinkt, zum Aufrufen der Erläuterungen einfach mit der Maus auf die blau markierten Begriffe klicken. Zurück zur Seite: oben in der Leiste auf den Rückwärtspfeil klicken.
  • Bildtexte werden angezeigt, wenn man mit der Maus über das Bild fährt.
  • Durch Klicken auf ein Bild kann dieses vergrößert werden. Ein Klick auf das Kreuz schließt die Ansicht.

Die Überfahrt von Guadeloupe zu den Azoren ist bis auf zwei kleinere Mahi Mahi zwar leider wenig fischreich, aber ansonsten können wir uns über mangelnde „Action“ tatsächlich nicht beklagen.

Tja und wie sollte es anders sein: an Tag 7 auf See hat der Bordkühlschrank mal wieder einen Aussetzer. Von den Herren der Schöpfung natürlich unbemerkt, um die Vorratshaltung und Verwaltung kümmert sich ausschließlich Sibylle. Diesmal ist das Relais kaputt. Das hatten wir schonmal ganz am Anfang kurz nach der Übernahme des Schiffes – deshalb haben wir auch drei Ersatzrelais an Bord, da sind wir uns ganz sicher. Aber irgendwie haben die Relais es blöderweise nicht auf unsere Inventarliste geschafft – so verläuft die Suche ergebnislos und wir finden die Teile erst zufällig nach Ankunft in Ponta Delgada wieder, nachdem wir bereits neue bestellt hatten. Gott sei Dank kann man einen solchen Fehler durch Überbrückung des Relais ganz leicht provisorisch beheben – vorausgesetzt man verwendet hierfür ein Kabel von ausreichender Stärke 😉.

Der Wassergenerator macht uns trotzdem unterwegs zunächst mal wieder wenig Freude – diesmal allerdings, weil der Propeller ständig voll mit Sargassum-Braunalgen behängt ist und er so keinen Strom erzeugen kann. Weshalb an Tag 11 trotz etlicher Motorstunden unser Energielevel ziemlich stark im Keller ist, denn auch eine der Solarpanele hat sich wegen Korrosion an der Steckverbindung verabschiedet.

Warum bereits am zweiten Tag auf See die Halterung der Hydrovane Windfahnen Steuerung locker ist und sich gefährlich bewegt, können wir uns nicht erklären. Jedenfalls keine schöne Sache, nicht nur ist so die Hydrovane unbrauchbar – auch der Wassergenerator hängt ja noch mit an der Konstruktion und es gilt zu vermeiden, dass die Teile durch weitere Bewegung immer lockerer werden, womöglich sogar ein Loch ins Heck reißen. Wir versuchen zu dritt, die losen Bolzen wieder anzuschrauben, nicht so ganz trivial, da sie von der Innenseite kaum zu erreichen sind. Endlich scheint es gelungen, Dieter schraubt mit dem Kopf nach unten hängend außen am Heck, während Burkhard innen gegenhält, Sibylle vermittelt die Kommunikation zwischen den beiden. Ein Test am Abend zeigt jedoch leider, dass die Reparatur dem Wasserdruck nicht gewachsen ist. Immerhin, wir vertrauen dem Ganzen soweit, dass wir auf die Demontage des Windfahnenruders und des Wassergenerators verzichten. Später in Ponta Delgada stellen wir fest, dass der eine Bolzen verbogen und gebrochen ist – hier bewahrheitet sich mal wieder der blöde Spruch: nach „fest“ kommt „ab“☹.

Der Versuch, den benzingetriebenen Generator anzuschmeißen (wir müssen Diesel sparen!) scheitert zunächst – sofort nach Anspringen schaltet sich das Gerät wegen Überlastung ab, obgleich wir an der Mastervolt die niedrigste Input-Einstellung gewählt haben. Wir vermuten, dass die Batterien schon soweit entladen sind, dass sie bei Einschalten trotz Herunterregelung der Ampereladung einfach zu viel absorbieren. So laden wir doch erst eine Weile mit dem Motor vor, als dann immer noch nichts geht, kommt Sibylle schließlich auf die kluge Idee😉, mal in den Sicherungskasten zu schauen … siehe da – die Klimaanlage ist eingeschaltet und schluckt bei Einschalten des Generators natürlich sofort sämtliche Energie.

Die Sargassum Braunalgen begleiten uns diesmal fast über die gesamte Strecke, das Aufkommen lässt erst wenige hundert Meilen vor den Azoren spürbar nach. Das ist überraschend, soweit nord-östlich haben wir die ausgedehnten Algenteppiche nicht erwartet. Und so macht es auch erst an Tag 13 einigermaßen Sinn, den Propellerantrieb von unserem Watt & Sea Hydrogenerator durch bewährtes Klopfen mit dem Gummihammer auf die Antriebswelle wieder gängig zu machen – ab da liefert der Generator dann störungsfrei richtig viel Energie, sehr erfreulich. Das Sargassum verleidet Sibylle auch schließlich die Angelei – es macht einfach keinen Spaß, alle paar Minuten die Angel von den ekelhaften Algen zu befreien, die sich an Vorfachwirbel und Köderhaken setzen und im Schneeballeffekt schnell an Größe gewinnen, so dass man die Angelschnur schon bei 6 Knoten Fahrt kaum noch über Hand einholen kann.

Die Plage scheint sich weiter auszudehnen. Forscher an der University of South Florida sprechen bereits vom „Großen Atlantischen Sargassum-Gürtel“. Die Forscher halten es für wahrscheinlich, dass solche Braunalgen-Blüten im Zentralatlantik zur neuen Norm werden könnten. 2015 und 2018 war der Teppich jeweils über 8850 Kilometer lang. Erst kürzlich wurde die Eskalation ausführlich in den Medien thematisiert (süddeutsche.detagesschau.de scinexx.denzz.ch), anlässlich einer Veröffentlichung der Wissenschaftler aus Florida. Demnach soll der veränderte Nährstoffgehalt des Meeres, vor allem auch im Bereich der Amazonasmündung, zur explosionsartigen Vermehrung der Algen beitragen.

Ein weiteres Naturphänomen begegnet uns, was uns nicht nur merkwürdig, sondern auch unheimlich vorkommt, und uns wieder einmal intensiv über die Ursachen und Auswirkungen der Klimaveränderungen nachdenken lässt. Über hunderte von Seemeilen treiben unzählige, wunderschön blauviolett schillernde `Portugiesische Galeeren` an uns vorbei – an einigen Tagen sind es mindestens zwanzig pro Minute an jeder Schiffsseite, die wir zählen. Das heißt, wir sind umgeben von Millionen dieser sehr gefährlichen Quallen. Wo treiben die alle hin?

Und unsere Mitsegler aus der ABC-Flotte, die sich zum Teil Hunderte von Meilen von uns entfernt aufhalten, berichten über mehrere Tage dasselbe. Ist das normal? Nach unserem Landfall machen wir uns schlau:

„Die bläulich schimmernde bis 30 cm messende sackförmige Gasblase (Pneumatophore) sorgt für den Auftrieb. … Bei Gefahr kann das Tier innerhalb von Sekunden abtauchen. Das kammähnliche Segel wird nur bei Wind aufgerichtet, sonst würde die Portugiesische Galeere austrocknen. Während der Drift schaukelt sie immer wieder rechts und links, um sich feucht zu halten. Durch Steuerung ihrer Fangarme kann sie gerade soviel manövrieren, dass ihre Großverbände von mehreren tausend Exemplaren zusammen bleiben. Die zahlreichen blauen, weißen oder rotvioletten Tentakel sind bis zu 50 Meter lang.“ (Wikipedia)

Während die Tiere zum Beispiel an der Nordküste Australiens häufig auftauchen, so ist in der Regel im Mittelmeer immer nur von einzelnen „Sichtungen“ der Tiere die Rede. Hunderte Exemplare wurden jedoch in diesem Jahr an einem Strand in Mallorca gefunden, genau in der Zeit, als wir inmitten der riesigen Population auf dem Atlantik segeln mdr.de/wissen/umwelt.

 

„Eigentlich lebt die Portugiesische Galeere in den tropischen und subtropischen Regionen des Pazifik, teilweise aber auch im Atlantik: Sie mag es gern warm. Eigene Fortbewegungsorgane hat sie keine, sie wird angetrieben von Seewinden, Strömung und Gezeiten: Dazu nutzt sie vor allem ihren aufgestellten Kamm, eine Blase über Wasser, die wie ein Segel wirkt. Die Portugiesische Galeere ernährt sich von kleinen Fischen, Krustentieren und Muscheln, die sie mit ihren Tentakeln umschlingt und aussaugt. Berührungen mit den Tentakeln, genauer gesagt ihren Nesselzellen, sind für Menschen nicht nur beim Erstkontakt im Wasser schmerzhaft. Sie wirken wie Peitschenhiebe und halten ungefähr eine Stunde lang an. Das Gift kann einen allergischen Schock hervorrufen, mit Atemstillstand und Herzversagen. Sogar wenn sie schon tot ist, wirkt die Berührung mit den Tentakeln immer noch toxisch. Bei Kontakt mit einem dieser Meeresbewohner sollte immer ein Arzt informiert werden.“ (MDR Wissen 14.05.2019)

Auf den Azoren gehört die Portugiesische Galeere zum Bade-Alltag. Wie auch in Australien gibt es an einigen Badestränden zweistufige Warnschilder, die zur Vorsicht auffordern oder sogar das Baden verbieten. Ob sich allerdings der Trend zu erhöhtem Aufkommen im Mittelmeer fortsetzt, bleibt abzuwarten. Wir sind jedenfalls heilfroh, dass wir keine Veranlassung hatten, unterwegs im Atlantik ins Wasser hinab zu müssen – ohne schützenden Neoprenanzug wäre das kein Spaß geworden.

Einige unserer Herausforderungen auf der Reise sind allerdings leider – wie schon öfter mal – selbst verschuldet.

Am achten Tag auf See früh um 07:20 Uhr Bordzeit gibt es einen Knall, die Genua ist unten am Hals abgerissen und flattert im Wind. Sibylle weckt Burkhard und Dieter zur Hilfe. Wir rollen das Segel zunächst ein Stück ein, dann auf Anraten von Dieter gehen wir mit dem Heck in den Wind, um das Vorsegel abzubauen. Dieter erwischt in der Hektik das falsche Fall und löst das Großfall anstelle der Genua. Dabei fädelt sich das Großsegel unten aus der Führung, wie wir später feststellen. Beim Zusammenfalten der Genua sehen wir, dass diese nicht korrekt in die Doppelschlaufe am Segelhals eingeschäkelt war, sondern lediglich in die äußere der beiden Schlaufen, die nun deshalb durchgescheuert ist. Die große Genua müssen wir an Deck verstauen, sie passt nicht mehr in den Segelsack und auch nicht durch die Luke. Wir setzen das Ersatzsegel. Die kleine Genua ist natürlich längst nicht so gut wie die große, aber wir zögern, die große Genua wieder aufzuhissen, aus Sorge, die zweite Schlaufe könnte ebenfalls brechen und Schlimmeres passieren.  Das gesamte Manöver, inklusive Großsegel neu einfädeln, kostet uns knapp 100 Minuten, währenddessen läuft der Motor und wir fahren in südwestlicher Richtung zurück.

Tag 12 auf See: Nach dem Frühstück legt sich Sibylle nochmal hin. Gerade ist sie selig weggeschlummert, da tut es erneut einen Knall. Wieder ein Problem an der Genua, diesmal ein größeres, denn nun ist das Segel oben am Fall abgerissen und liegt bereits an Backbord im Wasser. Zu dritt schaffen wir es jedoch, das Tuch schnell wieder an Bord zu ziehen, Gott sei Dank. Der Fall-Schäkel ist im Drehgelenk gebrochen, der Schlitten mit dem Fallende hängt oben im Masttopp. Wie kann das passieren? Dieter bietet sich an, in den Mast hochzugehen, obgleich er damit kaum Erfahrung hat, wie wir später erfahren. Es schaukelt entsetzlich, Dieter kann sich kaum halten. Burkhard kurbelt ihn hoch mit der Elektrowinsch. Sibylle führt die Sicherungsleine nach. Schließlich schafft es Dieter mit letzter Kraft den Schlitten runterzudrücken, der Rest geht von allein. Als Dieter wieder sicher an Deck steht, hat er mehrere Blutergüsse und Schürfwunden, aber es ist vollbracht. Ein Ersatzschäkel wird eingehängt und das Segel wieder hochgezogen. Nach gut zwei Stunden sind wir wieder auf Kurs. Fotos wollte in dieser Situation niemand machen.

Endlich haben wir auf der Tour mit Unterstützung durch Dieter nun auch mal unser fast neues Vorwindsegel (Wingaker) vernünftig eingesetzt. Ein wirklich tolles Segel, wenn man die Handhabung beherrscht.

Die Stimmung an Bord ist schlecht. Sibylle hat Dieter laut angegangen, als er das Großsegel anstelle des Vorsegels löst, das war nicht richtig. Er hat zurückgebrüllt, was ebenso wenig angemessen ist, denn schließlich ging es in dem Moment lediglich darum, ihn möglichst lautstark schnell auf seinen Fehler aufmerksam zu machen, und die Folgen des Irrtums gering zu halten.

Am Nachmittag aber bemühen wir uns dann jedoch mit wieder-vereinten Kräften, das große Vorsegel wieder einsatzbereit zu machen. Durch die vordere Luke zerren wir den Segelhals in den Salon und nähen einen Streifen Gurtband als Ersatz für die gebrochene Schlaufe an, teils mit der Nähmaschine und dann auch unter unendlicher Anstrengung (Dieter mit der Kombizange) per Hand. Die provisorische Reparatur soll und kann nur der zusätzlichen Sicherung dienen, falls die innere Schlaufe auch durchscheuert. In Ponta Delgada lassen wir die Schlaufen für 140 Euro komplett erneuern.

Wir sind alle Novizen, aber Dieter kennt sich zumindest mit Spinnaker Segeln aus. Ein bisschen Tricksen müssen wir zunächst mit der Anbringung des Doppelblocks für den Achterholer, den wir schließlich vorn am Anker befestigen, damit das Gehäuse der Furling keinen Schaden nimmt.

Leider auch hier wieder typische Anwenderfehler: das Spi-Fall muss zwingend vor dem Vorstag geführt und vor allem danach auch wieder außen herum zurückgeführt werden, ansonsten fixiert es die obere Befestigung am Kopf der Genua, was vermutlich zum Verbiegen und Bruch des Genua-Fallschäkels (siehe oben) geführt hat.

Außerdem lässt sich das Segel nur bei korrekter Führung des Falls bei Bedarf auf die andere Seite shiften. Und letztendlich scheuert das Spi-Fall durch die Reibung am Vorstag, wenn es nicht korrekt geführt ist. So passiert am letzten Nachmittag vor der Ankunft. Gott sei Dank ist das Fall noch nicht komplett durchgescheuert, als wir das Segel abnehmen, um die letzten 20 Meilen bis Ponta Delgada mit dem Motor zurückzulegen. So kann man es leicht um die schadhafte Stelle kürzen und weiterverwenden.

Ansonsten ist das Segeln mit dem Wingaker einfach herrlich und entspannt. Ohne das Segel hätten wir noch häufiger motoren müssen. Sogar in der Nacht bleibt das Segel einmal draußen – wir sind schlichtweg begeistert, die Investition hat sich gelohnt.

Circa 3-4 Tage vor Ankunft geht mehrfach die Bilgepumpe. Sibylle findet bei Überprüfung morgens reichlich Wasser in der abgetrennten Motorbilge – circa 15 Liter pumpen wir ab. Wie ist es da bloß hingekommen, es gibt keine direkte Verbindung zur Hauptbilge, es muss also irgendein Schlauch im Motorraum defekt und das Wasser bei Schräglage herausgeschwappt sein. Kurze Zeit später springt einer der Schläuche vom Wassermacher ab, noch während wir danebenstehen – na also. Nach Festschrauben sollte das Problem behoben sein, doch immer noch schlägt die Bilgepumpe sporadisch an. Das Wasser kommt eindeutig von achtern, wir befürchten, dass die neu eingesetzten Ruderdichtungen bereits wieder defekt sein könnten. Dass das Seewasser tatsächlich durchs GFK, also durch das Material hindurch eindringt (Horror!), stellen wir erst etliche Tage später im Hafen von Ponta Delgada fest. Dieses Problem wird sich zu unserem Alptraum des Sommers 2019 auswachsen – dazu an anderer Stelle mehr.

Doch sollte keinesfalls der Eindruck entstehen, dass diese zweite Atlantik-Überquerung auch nur im Entferntesten so anstrengend ist wie die Hinreise im vergangenen Winter. Im Gegenteil!

Die Gründe: Von der ABC-Organisation bekommen wir ein hervorragendes, in Verbindung mit dem Positions-Tracker ein teilwiese sehr individuelles Wetter-Routing mit täglichen Wegpunkten. Das macht die Teilnahme an dieser Veranstaltung absolut empfehlenswert! (http://atlanticbackcruising.com/en/ und https://www.facebook.com/Atlantic.Back.Cruising/)

Das präzise Routing ermöglicht uns nicht nur den Starkwind-Bereichen zu entgehen, sondern auch zielgerichtet und schnell aus den zahlreichen Flauten herauszufahren, beziehungsweise den vorherrschenden Wind bestmöglich auszunutzen. So lautet etwa der Marschbefehl am 22: Mai: „das Ziel ist es, solange wie möglich mit der Front und ihren SW-Winden zu segeln. Hierfür hält man sich südlich der Linie 35.00N – 37.30W / 31.00N – 44.00W / 29.00N – 48.00W.“ 

So müssen wir am Ende zwar mit dem Diesel haushalten, aber unter Einsatz unserer fünf Reservekanister haben wir dennoch noch ausreichend Kraftstoff, um den Ziel-Hafen unter Motor anlaufen zu können. Ein bisschen spannend ist das natürlich zwischenzeitlich schon, täglich rechnen wir, wie viele Motorstunden beziehungsweise Seemeilen unter Motor uns noch bleiben. Und in Anbetracht der häufigen Flauten wird die Einleitung des täglichen Wetterberichts mit „no risk of strong winds“ zum geflügelten Spruch des Törns. Die Bilanz zeigt, dass wir tatsächlich knapp ein Fünftel der Strecke unter Motor zurücklegen mussten.

Natürlich gleichen wir die ABC-Wetterempfehlungen mit den Vorhersagen ab, die uns sonst noch zur Verfügung stehen. Täglich fordern wir per Mail (via SSB oder Satellitentelefon versendet) Daten über die Großwetterlage auf dem Nordatlantik an. Mailadresse:  weather@mailasail.com. Betreff lautet: PYEA11.SMALL.TIF

 

Das binnen weniger Sekunden gelieferte File ist klein genug für den Empfang mit schmaler Bandbreite. Es zeigt jedoch die immens wichtige Übersicht über die Großwetterlage, die wir vor allem im Verlauf über die Tage intensiv in ihrer Veränderung beobachten. Die Grib-Files von `Wetterwelt` benötigen wir eigentlich diesmal nicht, dafür liefert ABC ausreichend Daten für den kurz- und mittelfristigen Planungshorizont.

Zweitens: Welle und Schwell. Wenig Wind, dann in der Regel weniger Welle – die unangenehme Seiten-Welle hat uns ja auf dem Hinweg am meisten belastet. Und wenn der Wind mal ordentlich bläst, dann liegen wir in der Regel schräg auf einer Seite, auf einem Bug. Darauf kann man sich einstellen. Und mit dem Wingaker segelt es sich auch bei Wind von achtern deutlich angenehmer als im Schmetterling – man liegt ruhiger, rollt viel weniger. Auf dem Weg in die Karibik war leider der Wind meist zu stark, um den für Leichtwind ausgelegten Wingaker einsetzen zu können.

Nicht zuletzt: bekommt man zu dritt erheblich mehr Schlaf und reist ausgeruhter als zu zweit. Unser Wachplan sieht einen 4-Stunden Wach-Wechsel vor, mit darauffolgend 4 Stunden Ruhe- plus 4 Stunden `Standby`-Phase. Im Normalfall hat der Freigänger also bis zu acht Stunden Schlaf am Stück. Das funktioniert hervorragend. Außerdem verteilen sich die Aufgaben nun auf drei, anstatt auf zwei Schultern. Dieter hat gerade vorher noch an einer Segel-Regatta in Kroatien teilgenommen und ist auf den Segeltrimm spezialisiert. Burkhard kümmert sich hauptamtlich um Wetter und Navigationsaufgaben, Wasser- und Energieversorgung, und Sibylle um Vorratshaltung und Kombüse, Notfallpläne, Logbuch.

Wunderbar ist auch der Empfang bei unserer Ankunft auf Sao Miguel. Zufällig erwischen wir den Abend der ABC-Stegparty für die bereits angekommenen Schiffe. Super Timing 😉. Als wir an der Hafenmole außen vorbeifahren, gibt es ein Feuerwerk. Auch zufällig, aber wir finden, das ist mehr als angemessen, auch wenn die Initiatoren nicht unbedingt uns im Visier haben. Um 22:40 Uhr Ortszeit am 30.05. 2019 machen wir am Steg in der Marina von Ponta Delgada fest. Burkhard steuert leider beim Einparken kurz gegen das Nachbarschiff und unsere Sonnenpanele an Backbord ist anschließend ziemlich hinüber. Shit happens. Die Crews der anderen ABC-Teilnehmer jubeln uns zu, es stehen Getränke bereit und Francois sowie Anne begrüßen uns auf herzlichste. Wir feiern die Ankunft, bis wir umfallen (was nicht lange auf sich warten läßt 😊).

Back to Europe

Auch wenn es sich jetzt wirklich sehr komisch anfühlt, aber die nachfolgenden Abschnitte bis zu unserer Abreise aus Guadeloupe am 12. Mai 2019 waren bereits fast fertiggestellt, so dass wir den Bericht über unsere letzten Wochen in der Karibik trotz erheblicher Zeitverzögerung nun doch veröffentlichen.  In Guadeloupe war vor der großen Fahrt wie üblich leider zu viel Vorbereitungs-Hektik und Aufregung in letzter Minute angesagt, da ist die Publikation auf der Strecke geblieben.

Seit unserem kurzen Deutschlandbesuch anlässlich der Hochzeit von Sibylles Bruder Christoph Anfang April läuft uns die Zeit einfach davon. In den ersten zwei Wochen nach der Rückkehr kämpft Sibylle zudem mit den Folgen eines Zeckenbiss, den sie sich überflüssigerweise beim Bärlauch Sammeln in Süddeutschland zugezogen hat. Das Antibiotikum, welches gegen eine mögliche Borreliose-Infektion verschrieben wurde, ist reines Gift und verursacht alle Arten von Nebenwirkungen, die Sibylle auf der schönen Insel Antigua schließlich völlig umschmeißen, und auch nach dem Absetzen des Medikaments erholt sie sich nur mühsam. 

Dabei hat Antigua das Zeug, zu unser erklärten Lieblingsinsel zu avancieren…..

Natürlich kennen wir bisher nur einen kleinen Ausschnitt des karibischen Reviers. Und leider mussten wir auf dem Weg nach Norden an Dominica vorbeisegeln, eine Insel, welche trotz der Hurrikan Schäden aus 2017 als echtes Highlight gilt. Dennoch – Antigua hat es uns besonders angetan. Auf den ehemals britischen Inseln geht alles irgendwie urtümlicher zu als auf den europäisch-französischen. Und der Charm der altehrwürdigen Gebäude und Anlagen von Nelson`s Dockyard in English Harbour ist einzigartig. Wundervoll sind auch die zahllosen weißen Strände mit Pudersand und türkisblauem flachen Wasser. Und im quirligen St. Johns brodelt das Inselleben, wobei sich hier – anders als weiter südlich – die Kriminalität sehr in Grenzen hält. Und auch das Ein- und Ausklarieren gestaltet sich, entgegen mancher haarsträubenden Seglerberichte, die man im Internet finden kann, völlig unproblematisch.

Zusammen mit „Ariranha“ ankern wir 10 Tage in Jolly Harbour, Antigua. Und ach ja – seit unserem Absprung aus Deshaies auf Guadeloupe haben wir einen Gast an Bord. Simon kommt aus Österreich und wird ebenfalls Anfang Mai von Tortola aus auf einem Segelschiff die Rückreise nach Europa antreten. Kurz entschlossen offerieren wir ihm die Passage nach Antigua, und auch den Aufenthalt an Bord, bis er einen Lift weiter in den Norden findet. Dazu kommt es dann nicht, zu den BVI`s muss er schließlich mit dem Flugzeug weiterreisen und wir verbringen herrliche Tage gemeinsam in der Bucht und an Land.

Simon hilft uns dabei, die Ladeleistung der Lichtmaschine durch den Austausch eines Kabels deutlich zu verbessern, er ersetzt den (wieder mal) defekten Stecker für die Fernbedienung der elektrischen Ankerwinsch und macht sich nützlich, wo er kann. Der Abschied fällt nicht leicht, so sehr ist uns der junge Elektroniker und – temporär auch Almbauer – ans Herz gewachsen.

Und auch die Trennung von der „Ariranha“-Crew wird eine lange werden – vielleicht sieht man sich noch kurz auf den Azoren wieder, aber anschließend wollen die beiden erstmal nach Deutschland zurück.

Noch einmal nähen wir gemeinsam und bessern vor der Überfahrt unsere Sprayhood aus, mit neuen Reißverschlüssen und Fenstern. Ein paar Wochen zuvor hatte Michael uns bereits bei der Anfertigung eines zusätzlichen Wind- und Regenschutzes für das Cockpit tatkräftig zur Seite gestanden. Sibylle macht es riesigen Spaß, dem gelernten technischen Konfektionär einiges abzuschauen. Unsere „Sailrite“ – die aus Sibylles Sicht weltbeste Nähmaschine für solche Canvas-Arbeiten an Bord – begleitet uns ja jetzt schon seit zwei Jahren und hat uns so manche Ausgabe erspart.

Am 03. Mai ist es dann so weit – wir geben Anker auf und fahren von Antigua zurück nach Guadeloupe. Zwei Tage gönnen wir uns noch in der schönen Bucht von Deshaies, bevor wir in die Marina nach Point à Pitre aufbrechen, um uns auf unsere zweite Atlantiküberquerung vorzubereiten. Die Fahnen der ABC Organisation wehen schon in der Marina und Direktor Francois hilft uns beim Anlegen. Alle 17 teilnehmenden Boote der ABC-Flotte liegen nebeneinander am Steg – ein buntes Bild mit all den Werbe-Flaggen, die wir neben zumeist flüssigen Geschenken (auch in Guadeloupe wird natürlich viel Rum produziert 😊) im Laufe der Woche von den Sponsor-Partnern der Organisation erhalten.

Leider sind wir die einzigen Deutschen, außer einem italienischen Boot sind alle Teilnehmer Franzosen. Unser Französisch ist eher rudimentär, zumindest was den aktiven Sprachschatz angeht, und das Englische ist für manche Franzosen durchaus problematisch. Das gilt jedoch nicht für die ABC-Organisation: hier ist man hundert Prozent zweisprachig, alle Briefings sowie Wetterberichte und Routings werden auch auf Englisch geliefert. Und mit dem Rest der Truppe arrangieren wir uns – man ist sehr bemüht uns zu integrieren, doch irgendwie bleiben wir eher Außenseiter.

Am Abend des 08. Mai trifft unser Freund Dieter ein. Er hat als waschechter Seemann viele tausend Meilen auf dem Buckel, aber gern möchte er nun endlich auch einmal unter Segeln den Atlantik überqueren. So wird er uns also auf unserem Rückweg nach Europa begleiten.

Die drei Tage bis zur Abfahrt sind vollgepackt: neben den täglichen Briefings und abendlichen Rum-Parties der ABC-Organisation, müssen wir noch frische Lebensmittel bunkern und vorkochen, das Dinghi muss eingepackt und das Vorsegel gewechselt werden. Da der erste Schreck: beim Herunternehmen fällt Sibylle auf, dass die Fock am Übergang zum Sonnenschutz kaputt ist, so ein Mist. Die große Genua ist zwar intakt und in St. Lucia erst repariert worden, hier hatte sich der Sonnenschutz auf der Atlantiküberquerung komplett aufgelöst. Aber ohne einen Vorsegel-Ersatz wollen wir in keinem Fall losfahren. Mit Unterstützung von Francois ereignet sich ein kleines Wunder: nach wenigen Stunden beim Segelmacher kann Dieter die geflickte Fock bereits am Nachmittag wieder abholen.

Doch dann gleich das nächste Drama: mal wieder läuft der Kühlschrank nicht mehr, genauer gesagt die berühmte Seewasserpumpe, die den Kompressor kühlt, scheint sich erneut verabschiedet zu haben. Hatten wir die nicht gerade noch auf Martinique getauscht und zuvor auf St. Lucia? Noch gut 36 Stunden bis zum Start, wir sind gereizt und fertig – Dieter entschärft die Situation und lädt uns in der Bar gegenüber zum Bierchen ein.

Am Samstag Vormittag gibt es dann neben dem lebenswichtigen Wetterbriefing genau eine Priorität: den Kühlschrank wieder ans Laufen bringen. Das Wetterbriefing ist ausgezeichnet, wir bekommen nicht nur detaillierte Hinweise für die Strecke der kommenden Tage, sondern erhalten auch ein allgemeines Verständnis für die Wetterbedingungen auf dem Nordatlantik.

Im Anschluss an den Wettervortrag, der per WebEx aus Frankreich übertragen wird, kümmert sich Burkhard beim Schiffsausrüster um eine neue Kühlschrankpumpe. Das wird eine größere Sache, denn eine Pumpe, die auf unsere Anschlüsse passt, ist natürlich nicht vorrätig.

Dieter und Sibylle warten währenddessen mit den anderen Teilnehmern auf den Fotografen für das Gruppenfoto, auf dem Burkhard nun leider fehlt. Als wir uns anschließend voller Verzweiflung erneut der defekten Kühlschrankpumpe widmen, fällt Dieter auf, dass der Zulauf zum Seewasserfilter abgesperrt ist, das hat gestern niemand bemerkt. Verursacher war offenbar der Mensch vom Volvo Motorservice, der in einem unbeobachteten Moment im Rahmen der Wartung am Vortag wohl sämtliche Ventile zugesperrt hatte, die er im Motorraum finden konnte …. AUA – sehr peinlich, aber als der Mechaniker von Schiffsausrüster zum Tausch der Kühlschrankpumpe erscheint, läuft die alte Pumpe bereits wieder 😉

Am 12. Mai 2019 fahren wir um 11:00 Uhr Ortszeit gemeinsam mit den anderen Teilnehmern über die Startlinie. Um von Guadeloupe wegzukommen, müssen wir zunächst südöstlich in Richtung der Insel Marie Galante aufkreuzen – mit dem Gegenwind zum Anfang hätte der Startpunkt kaum ungünstiger gewählt werden können. Schließlich schmeißen wir den Motor an, bis wir die Ostecke von Guadeloupe gerundet haben. Nach gut 40 Meilen können wir dann endlich durchstarten, Richtung Nordosten, Richtung Europa.

Martinique


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