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„Welcome to Paradise“

„Welcome to Paradise“ – so empfängt man uns in fast jeder Bucht, die wir anlaufen. Auch wenn die Auslegungen von Paradies durchaus unterschiedlich sein können, erscheint uns die Ansage doch meist nicht unberechtigt.

Der Anlegeplatz zwischen den Pitons von St. Lucia, unmittelbar vor dem Sugar Beach Resort, ist landschaftlich wirklich beeindruckend. Beschützt und eingerahmt vom kleinen und großen Piton liegen wir hier an einer Boje fast unmittelbar vor dem Strand, der von nur wenigen Gästen des Resorts derzeit genutzt wird. Der Preis, den die beiden Boatboys für ihre Anlegehilfe aufrufen möchten, ist völlig überzogen, doch Burkhard verhandelt erfolgreich – nett aber bestimmt.

Ausklariert haben wir bereits in Rodney Bay, aber für weitere 24 Stunden dürfen wir noch in St. Lucia bleiben. Einem fliegenden Händler – ziemlich `stoned` – kaufen wir eine Kette aus Ingwersamen ab. Dem nächsten eine große Avocado. Die Avocados sind hier fast so groß wie Football-Bälle, jedenfalls in der Saison, unglaublich. Circa fünf Euro (15 XCD) zahlt man für so ein Prachtstück, das köstlich schmeckt, sobald es reif ist.

Die Nacht bei den Pitons ist leider für uns ziemlich schlaflos. Gerade haben wir gelesen, dass laut Statistik St. Lucia in 2018 die meisten (klein-)kriminellen Übergriffe auf Segelboote in der Karibik zu verzeichnen hat, siehe auch https://www.blauwasser.de/tipps-zur-sicherheit-karibik. Wir müssen uns wohl erst noch an das Leben außerhalb der behüteten Marina gewöhnen …

 

Das Ablegemanöver misslingt zunächst. Wir haben uns dummerweise an der Boje mit zwei unterschiedlich starken Festmachern gesichert, die sich nun bei Morgengrauen umeinander gewickelt und völlig vertörnt haben. So kommen wir nicht los. Es gelingt uns, von Deck aus ein paar Törns zu entwirren, aber dann bleibt nichts als ins dunkle Wasser zu steigen und den Rest manuell zu entknoten. Sibylle findet das morgendliche Bad wenig erfreulich, vor allem, weil die Bucht heute voll von Saragossa-Gras ist, was eklig piekt bei Berührung. Nun denn, schließlich sind wir frei und können durchstarten. Fast 45 Minuten haben wir so verschenkt, hoffentlich erreichen wir unser Ziel noch vor Einbruch der Dunkelheit.

Die ersten beiden Stunden wird gemotort und dabei gefrühstückt, dann kommt ordentlich Wind auf, 18-25 Knoten, und wir setzen Segel, vom Großsegel geben wir nur Zweidrittel raus. Mit halbem Wind kommen wir super voran, bis uns im Lee von St. Vincent am Mittag der Wind verlässt. Die Insel ist wunderschön grün, die Buchten sehen toll aus. Schade, dass man hier nicht mehr einlaufen soll, nachdem man einigen Seglern übel mitgespielt hat.

Und wieder einmal wechselt Burkhard die Landes-Flagge und zieht die Farben von St. Vincent und den Grenadinen auf.

Nach knapp zwei Stunden kommen wir aus der Abdeckung von St Vincent und der Wind setzt wieder ein, leider ziemlich von vorn, so dass wir trotz Windstärke 6 (Bft) nur langsam vorankommen. Hier im Kanal zwischen den Inseln schwimmt auch wieder jede Menge Sargassum Gras, das den ganzen Tag über (außer hinter St. Vincent) immer wieder die Angel ausgeknockt hat. Kaum zeigen sich die ersten Büschel des ekligen braunen Zeugs, hängen sie auch schon wieder am Köder fest. Sibylle hat die Nase voll für heute und will die Angel einholen. Das geht ungewöhnlich schwer, da schleppen wir zwar ein sehr dickes Büschel Gemüse am Köder aber bei nur gut 4 Knoten Fahrt eigentlich kein Problem. Die Schnur läßt sich jedoch kaum einrollen. Da springt plötzlich ein Fisch mit dem Haken aus dem Wasser, blaugelb, ein Mahi Mahi. Die Freude ist groß und wir können ihn problemlos anlanden, denn er misst nur ca. 70 cm. Wir müssen uns allerdings noch schlau machen, ob man ihn trotz Ciguatera hier gefahrlos essen kann.

Das Flaggen kann hier in der Karibik schnell zum Dauersport werden, denn viele der kleinen Inseln sind selbstständige Staaten. Und jedes Mal muss man sich mit dem Schiff bei Zoll und Immigration vorschriftsmäßig abmelden (ausklarieren) und im nächsten Hoheitsgebiet wieder anmelden (einklarieren). Ganz schön aufwändig und auch jedes Mal mit Kosten verbunden, und auch die bunten Wimpel haben ihren Preis. Aber die Menschen in den häufig stickigen Amtsstuben sind durchwegs freundlich und hilfsbereit, wenn es um das Ausfüllen der Papiere geht.

Exkurs: Ciguatera

Ciguatera ist die Bezeichnung für eine Fischvergiftung, die vor allem in tropischen und subtropischen Ländern vorkommt. Die Vergiftung entsteht durch den Verzehr von an sich ungiftigen Fischen, die mit dem natürlichen Giftstoff „Ciguatoxin“ belastet sind. Dieses Gift stammt von einem Einzeller, der auf Meeresalgen lebt und so in die Nahrungskette gelangt. Als typische Auswirkung des Nervengifts zeigt sich beim Menschen eine Umkehr des Warm-Kalt-Empfindens. Die Ansteckung erfolgt über den Verzehr von Fischen, in deren Körper sich das Ciguatoxin angereichert hat. Das Gift wird nicht durch Erhitzen zerstört und beeinträchtigt weder das Aussehen noch den Geschmack der Fische. Am stärksten belastet sind größere Raubfische wie Barrakuda, Red Snapper, Makrele, Muräne und Zackenbarsch, die in der Nähe eines Korallenriffs leben (Textauszug aus https://tropeninstitut.de/krankheiten-a-z/ciguatera). Um das Risiko zu minimieren, wird u.a.empfohlen, keine Fische über 2,7 kg zu verzehren – na also, in diese Größenordnung passt unser Mahi Mahi gerade noch so rein.

In der Einfahrt der Admirality Bay (Insel Bequia) liegt ein großes TUI-Kreuzfahrtsschiff. Wir sind gespannt. Ein riesiges Bojen- und Ankerfeld tut sich auf, und schon braust Ernie mit seiner `Burning Flame` heran und will uns einen Platz anbieten. Wir möchten aber gern eine Boje von Pat Shack nehmen, so hat man uns geraten. Ok, auch das ist kein Problem. Ernie ist furchtbar nett und hilft beim Anlegen mit dem Standard-Spruch `welcome to paradise`. Wir sind begeistert, hier ist es irgendwie gemütlich und wir fühlen uns sofort wohl – auch wenn die Admirality Bay mal wieder nicht die typisch karibische Postkartenbucht ist.

Das Einklarieren verschieben wir auf den nächsten Tag. Der kleine Ort Port Elizabeth ist bunt und belebt, an der Uferstraße reihen sich Obststände, Bars und Restaurants, und jede Menge fliegende Händler. Es gibt einen Supermarkt und auch eine Cash-Maschine. Wir verweilen ein paar Tage bei dem sympathischen Ort, bevor wir in die 25 Meilen entfernte Salt Whistle Bay (Insel Mayreau) aufbrechen.

Dort haben wir bereits eine Reservierung bei Dorothy (Empfehlung von Katrin und Peter), die uns schon erwartet.

Und wieder heißt es: „welcome to paradise“ – ja hier fühlt man sich dem Paradies schon ein Stückchen näher. Türkisblaues Wasser, weißer Sandstrand, Palmen, bunte Bretterbuden – so wie sich das gehört 😉. Aber ganz schön voll ist die Bucht, mit vielen großen Charterbooten, meist Katamarane.

Das Essen in Dorothy`s blauer Bude ist ausgezeichnet, allerdings auch nicht preiswert, wie überall in den Grenadines. Am dritten Tag verlegen wir uns näher zum Strand hin, denn inzwischen steht ein unangenehmer Schwell in die Bucht.

Die karibischen Postkartenstrände schlechthin finden wir schließlich in den nur gut vier Seemeilen entfernten Tobago Cays. Das Wasser leuchtet in sämtlichen türkis- und Blautönen. Als wir vor Petit Bateau Island den Anker werfen, schwimmt vor uns eine große Schildkröte. Ein netter Mensch weist uns eine Stelle, wo wir den Anker platzieren sollen und begrüßt uns nach erfolgreichem Manöver mit „welcome to ….“ 😊 – ja tatsächlich, hier muss das irgendwo sein und definitiv werden wir einige Tage bleiben.

Aus kleinen bunten Booten werden T-Shirts, Brot, Bananenkuchen und Fisch angeboten. Von Sidney kaufen wir gut gelaunt zwei T-Shirts für Burkhard mit der Aufschrift „Grenadines“ und „Tobago Cays“. Eine nette Erinnerung, hoffentlich halten sie eine Weile. Es ist sehr windig aber unser Anker hält gut, ein kleines Inselchen vor unserem Bug schützt uns ein wenig vor Wind und Welle. Gegen Mittag besucht uns Romeo, auf dem Rückweg von seinem Einkauf in Union Island. Wir bestellen bei ihm zweimal Languste für das abendliche Barbecue am Strand (wieder ein Tipp von Katrin und Peter) und verabreden uns für 17:00 Uhr. Die Languste schmeckt umwerfend gut.

Für das Ankern im Tobago Cays Marine Park sind 10 XCD (3,30 Euro) pro Person und Tag fällig. Bei den Park Rangers, die das Geld entgegennehmen, buchen wir direkt mal für drei Tage. 

Am zweiten Tag machen wir nachmittags das Dinghi klar und fahren um die Ecke zum sogenannten Schildkröten Strand um zu Schnorcheln. Der Wind hat inzwischen noch weiter zugelegt und so sind wir schon völlig durchnässt, als wir nach der Fahrt gegen die Welle am Strand ankommen. Hier vor der Insel Baradal gibt ein weiteres, sehr großes Ankerfeld, und zu unserer großen Freude ist inzwischen am Mittag dort auch unsere Namensschwester, die `andere` ITHAKA eingetroffen.

Jetzt gibt es hoffentlich endlich mal ausreichend Gelegenheit zum Kennenlernen und Austausch, das haben wir seit Las Palmas nämlich bisher nicht vernünftig hingekriegt. Angela und Christoph freuen sich, als wir nach dem Schnorchel Gang bei ihnen vorbeifahren, zusammen mit Heinz, ihrem Urlaubs-Gast, wollten sie sich soeben auf die Suche nach uns machen. An Bord der wunderschönen Contest 50 bekommen wir einen leckeren Weißwein und ein gutes Bier aus Martinique, und wir verabreden uns für den nächsten Abend zum Barbecue. Daraus wird dann nichts, denn der Ankerplatz ist inzwischen sehr unruhig geworden und so folgen wir ihrem Vorschlag, uns gegen Mittag nach Clifton Bay auf Union Island zu verlegen.

Zusammen mit Angela, Christoph und Heinz verbringen wir einen wunderbaren Abend mit leckerem Rum-Punsch im trendigen „Snack Shack“ und anschließendem Abendessen im Restaurant „Barracuda“ – sehr empfehlenswert. Neben der Namensgleichheit unserer Schiffe gibt es auch sonst einige Gemeinsamkeiten und sofort entwickeln sich lebhafte Gespräche. Angela und Christoph pflegen ebenfalls einen sehr schönen Blog, hier ist der Link: https://sy-ithaka.blog/

Auch dieser Liegeplatz ist besonders: vor uns das große Riff, auf dem sich die Kite-Surfer tummeln, direkt neben uns ein Riff und in der Mitte der Bucht ein weiteres Riff. Eine gute Stelle zum Ankern zu finden ist gar nicht so leicht, denn auch hier sind wieder jede Mange Bojen ausgelegt. Am nächsten Morgen verlegen wir uns ein paar Meter weiter weg von den seitlichen Felsen, eine gute Entscheidung, denn kurze Zeit später dreht der Wind auf Süd und weht uns in Richtung der Untiefe.

Clifton Bay ist ein Straßendorf mit einigen, zum Teil sehr karibisch anmutenden 😉 Supermärkten, einem kleinen Obst- und Gemüsemarkt sowie vielen Bars und Restaurants. Auch ein Hotel und ein ATM ist vorhanden. Was will man mehr. Zum DinghiDock fährt man durch einen gemauerten kleinen Durchlass in ein geschütztes Becken. Wir kaufen jede Menge Obst und Gemüse zu astronomischen Preisen. Mittlerweile sind wir überzeugt, dass es an diesen Ständen unterschiedliche Preise gibt für Touristen und Einheimische, die sich sonst vermutlich nicht mal eine Kartoffel leisten könnten.

Wir leiden mit ihnen, als sich am nächsten Tag herausstellt, dass sie aus familiären Gründen relativ kurzfristig für ein paar Wochen nach Deutschland reisen müssen und hoffen wirklich sehr, dass wir die beiden mit ihrer ITHAKA Anfang März in Martinique wiedertreffen werden. Doch uns zieht es zunächst weiter Richtung Süden und so klarieren wir aus Richtung Grenada.

St. Lucia

Etwas mehr als 4 Wochen vergehen, bevor wir den sicheren Hafen in St. Lucia verlassen. Die Marina ist gut bewacht und hat einiges zu bieten: verschiedene, zum Teil sehr gute Restaurants, die Boardwalk-Bar, einen kleinen Süßwasser-Pool, einen großen Chandler, Segelmacher und vieles mehr. Ein idealer Ort, um sich an Land, Leute und Klima langsam zu gewöhnen. Viele Gelegenheitsarbeiter bieten in der Marina ihre Dienste an: überaus geschickt und mit vielen Tricks bewandert werden Boote auf Hochglanz poliert, das Unterwasserschiff gesäubert, selbst die Scheuerleiste aus Kupfer erhält ihre ursprüngliche Farbe und Glanz zurück. Es gibt Obstverkäufer und Hummer wird angeboten, was man sich wünscht, wird irgendwie besorgt. Die Gesichter der Menschen auf St. Lucia wirken oftmals ernst und etwas verschlossen, doch alle sind überaus bemüht und freundlich.

Kurz nach unserer Ankunft gibt es jedoch auch wieder mal einen größeren Diebstahl auf einem Segelboot vor Anker in der Marigot-Bay, während eines Schnorchel-Gangs blieb das Boot ungesichert und unbewacht, das haben sich die Diebe zunutze gemacht. Und immer wieder wird auch von Einheimischen davor gewarnt, sich nach Einbruch der Dunkelheit allein auf der Straße zu bewegen – das macht verunsichert zuweilen und engt leider die Bewegungsfreiheit mitunter stark ein.

Dennoch alles in allem irgendwie nicht verwunderlich: St. Lucia blickt auf eine bewegte Geschichte unter wechselnder französisch-liberaler Besatzung und britischer Herrschaft. Wie in vielen anderen Kolonien auch, brachten die Briten Menschen aus Afrika auf die Insel, die auf den Zuckerrohr­plantagen Sklavenarbeit verrichteten. Wichtigstes landwirtschaftliches Erzeugnis ist die Banane, bearbeitete Waren, Maschinen und viele Nahrungsmittel, darunter Fleisch, müssen größtenteils importiert werden, größter Wirtschaftszweig ist die Tourismusbranche. Die meisten Leute sind hier sehr arm und angesichts von Luxusresorts, Kreuzfahrtschiffen und teuren Yachten wird die Kluft zwischen arm und reich besonders evident.

Wir brauchen Zeit, um uns zu erholen und genießen die netten Runden mit unseren Freunden und Mitseglern von der ARC, die sich am 12. Januar auf den Weg Richtung Panama machen werden. Ein Christmas Dinner bei Marie`s Bar am Strand wird organisiert, mit dem Wassertaxi lassen wir uns dort hinbringen. Die Atmosphäre ist spektakulär, das Barbecue leider weniger, aber das tut der Veranstaltung keinen Abbruch, die visuellen Eindrücke von Marie`s Küche werden uns sicher noch länger im Gedächtnis bleiben. Anschließend wird weiter gefeiert an Bord von „BabSea“ …

Auch der Silvesterabend findet in größerer Runde statt. Unsere Sylvesterstimmung wird leider etwas getrübt durch die Tatsache, dass sich am Nachmittag mal wieder eine unserer Servicebatterien verabschiedet. Es stinkt und die Batterie glüht. Burkhard klemmt die kaputte Einheit ab und so müssen wir nun bereits weniger als zwei Jahre nach unserem letzten Tausch der Servicebatterien auf Rhodos wieder in einen Satz neue Batterien investieren. Es wird dennoch ein schöner Abend: Katrin hat für alle einen Kopfschmuck mitgebracht, ein Krönchen für die Damen, ein glitzerndes Hütchen für die Herren 😊. Diesmal lassen wir es uns richtig gut gehen und speisen ganz vorzüglich im Sushi-Restaurant in der Marina.

Der Wein ist in der Karibik leider recht teuer, und so greift auch Sibylle gern mal wieder zu einem Bier, hier in St. Lucia trinkt man das lokale Piton-Bier aus kleinen 0,275 Liter Fläschchen, die mit dem Wahrzeichen der Insel, den Piton-Hügeln etikettiert sind. 

Natürlich aber nicht zu vergessen der Rum-Punsch, für den jeder hier sein eigenes Rezept zu haben scheint – einfach genial und sehr verführerisch. Rum ist jedenfalls günstig zu bekommen, und so werden Rum-Mixgetränke in den nächsten Wochen auch immer häufiger auch an Bord unserer „Ithaka“ zubereitet 😊.

Den besten Rum-Punsch trinken wir auf der wöchentlichen Gros Islet Street Party. Hermann von der „BabSea“ hat den Stand ausfindig gemacht, die Zubereitung wird hier regelrecht zelebriert und der Rum hat es in sich! Strong! Die Gros Islet Street Party ist ein echtes Erlebnis und wahrer Gaumenschmaus. Unzählige kleine und größere Barbecue-Stände reihen sich entlang der Straße, der Duft von gegrilltem Spicy Chicken, Ribs, Fisch und Langusten mischt sich mit dem Rauch aus diversen Joints und Pfeifchen. Dazwischen Getränke-Stände und lokales Kunsthandwerk. Der Sonnenuntergang über der Bucht von Rodney Bay hat etwas Magisches.

Für unseren Inselausflug wählen wir leider ausgerechnet den Tag mit dem schlechtesten Wetter seit unserer Ankunft. Schauer gibt es zwar fast täglich und insbesondere auch nachts, aber an diesem 30. Dezember hört es fast überhaupt nicht auf zu schütten. An den meisten der Aussichtspunkte sieht man zum Teil die Hand vor Augen nicht, geschweige denn die Landschaft dahinter, die bei Sonnenschein und klarer Sicht eigentlich atemberaubende Fotomotive liefert. Zusammen mit Babsi, Helmut und Hermann („BabSea“) sowie Heike und Udo („Endo II“) geht es früh morgens nahe der Marina schon im Regen los. Unser Taxi-Fahrer ist heute John. John ist wohl ein Multitalent 😉, denn er hat auch schon unseren Bootsrumpf poliert.

Heute am Sonntag ist das Marktgeschehen reduziert, aber innen wie außen haben einige Stände geöffnet. An einem lokalen Grill-Imbiss wird etwas gefrühstückt: Teigtaschen mit Salty Fisch und Helmut und Babsi verkosten auch die Hühnchen-Schenkel zusammen mit einem Glas Spicy-Rum.

Mühsam erklimmt unser Taxi den steilen Berg oberhalb von Castries, der Ausblick auf die Bucht ist leider durch den Regen getrübt. Bei der Marigot-Bay haben wir Glück: die Sonne kommt raus und wir bekommen einige hübsche Fotos in den Kasten.

Das Fahrzeug ist ein uralter, klappriger Minibus – bei jeder Bodenwelle ächzen die kaum noch vorhandenen Stoßdämpfer und es schüttelt uns in den Sitzen. Helmut und Babsi müssen jedes Mal über eine riesige Kühlbox steigen, um ihren Platz in der hinteren Sitzbank einzunehmen. Zumindest ist die Kühlbox gut gefüllt, auch mit Piton-Bier. John erklärt, er habe am Morgen schon Wein mit Marihuana-Blatt gegen seine Magenverstimmung zu sich genommen … nun denn, Alkohol am Steuer ist hier in St. Lucia nicht verboten und angeblich passieren auch kaum Unfälle … Nach einem kurzen Stopp in der Rodney-Bay Mall halten wir im Zentrum der Inselhauptstadt Castries.

Doch oberhalb des Ortes Souffriere reißt der Nebel kurz auf für ein schnelles Foto von den Pitons im abziehenden Regen. In Souffriere angelangt machen wir Mittags-Rast in einem einheimischen Grill-Restaurant, Empfehlung von John. Das Hühnchen ist recht gut, der Fisch wohl eher weniger. Es schüttet aus Kübeln, als wir auf John warten, der uns vom Restaurant wieder abholt.

Auf der Fahrt gen Süden halten wir bei einer Tapioka-Bäckerei: die süß und salzig gefüllten Teigtaschen gefertigt aus dem Mehl der Maniok-Wurzel kommen noch heiß frisch aus dem Ofen. Sie sind sehr scharf gewürzt und irrsinnig mächtig. Weiter schlängelt sich die Straße durch die Berge, wir nähren uns den beiden Piton-Hügeln, die jedoch am gedachten Aussichtspunkt nicht einmal schemenhaft zu erkennen sind. John vertröstet uns auf die Rückfahrt, aber auch da können wir später im Nebel nichts erkennen.

Unser nächstes Ziel ist der botanische Garten mit dem Wasserfall. Der Garten ist wunderschön und als Lehrpfad beschriftet. Gern hätten wir uns länger du ausgiebig mit den fremden Pflanzen und Bäumen befasst, aber wir haben nur eine Stunde bis zur Schließung der Anlage und wieder regnet es, und zwar diesmal richtig. Diejenigen unter uns, die ihre Regenjacke im Bus vergessen haben, schälen sich anschließend aus ihren klitschnassen Oberteilen, um nun in die wenigstens trockene Regenjacke zu schlüpfen. Auf den letzten Stopp der Tour, die Schwefelquellen hat anschließend niemand mehr Lust und so wenden wir kurzerhand und treten die lange Rückfahrt an. Immer wieder hält John kurz an, um ein WC aufzusuchen – der Marihuanablatt-Wein hat offensichtlich seine Verdauungsprobleme nicht lösen können, oder doch?

Die Tage verfliegen. Tränenreich verabschieden wir die „Hector“ – mit Katrin und Peter. Mit neuen Chartergästen werden sie gen Norden ziehen, um den Katamaran am Ende der Saison auf den Bahamas abzugeben. Unsere kaputte Genua wird fachmännisch repariert von Kenny, dem Segelmacher. Ulrich Meixner von DSL-Yachting unterstützt uns bei der Beschaffung und dem Einbau neuer hochwertiger Servicebatterien. Mit dem Einbau warten wir, bis sein Elektriker-Fachmann wieder aus dem Urlaub zurück ist. Er soll nochmals die gesamte Elektronik systematisch überprüfen, aber auch er findet keinen gravierenden Fehler. Sibylle kümmert sich um die Decksarbeiten, wieder gibt es etliche Holzpfropfen im Teak zu ersetzen und der Umlenk-Block für die Raushol-Leine am Großsegel muss ausgetauscht werden. Aus dem alten Block hatte sich bei der Überfahrt die Mittelachse gelöst und die Scheibe hat Sibylle heftig am Arm erwischt. Gott sei Dank ist das Geschoss zuvor gegen einen Teakgriff geknallt und hat diesen zertrümmert. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn die Scheibe mit ungebremster Wucht einen von uns beiden getroffen hätte. Für den neuen Block müssen neue Löcher ins Deck gebohrt und die alten abgedichtet werden, nicht so ganz trivial, aber mit dem Ergebnis sind wir schließlich sehr zufrieden.

Wir freuen uns sehr, dass auch Jörg von Yachtfunk aus Deutschland eingeflogen kommt, um die SFB-Einrichtungen der World ARC Teilnehmer erneut zu kontrollieren. Seine Freistunden verbringt er bei uns an Bord und er hilft uns beim Check unserer VHF-Anlage. Tja und irgendwann heißt es dann endgültig Abschied nehmen. Wir laden alle nochmal zu einem Farewell-Sundowner bei uns an Bord ein: „BabSea“, „Endo“, „Nika“, „Aurora B“ und auch Jörg darf natürlich nicht fehlen.

Mit der Wiedereröffnung des ARC-Büros in der Marina zehn Tage vor dem Start der World ARC kehren auch bekannte Gesichter zurück. Wir verbringen nette Stunden mit Gemma und Ed von der „Aurora B“ – sie haben großes Interesse zu verstehen, wie wir unser Teakdeck instand halten und lassen sich alles genau zeigen, was Sibylle in den letzten Jahren gelernt und angewendet hat (nochmals ein herzliches Dankeschön an Hans von der „Rasant“, der Sibylle in die Kunst der Holzpfropfen-Technik eingewiesen hat!)

Dann bleibt uns nur noch zu winken, als anderthalb Tage später die World ARC Schiffe Richtung Kolumbien-Panama-Südsee aus dem Hafen fahren…