Rum, Schokolade, Gewürze und Meer

Nie wieder trinken wir Rum … denken wir bei uns, während wir in die jahrhundertealten Bottiche mit stinkender, trüber Brühe schauen, aus der ein paar Arbeitsgänge später das hochprozentige Destillat gewonnen wird.

Wir besichtigen eine Rum-Fabrikation aus dem 18. Jahrhundert auf der Insel Grenada. Es ist faszinierend, an dem Herstellungsprozess wurde seit der Gründung im Jahr 1785 fast nichts verändert:

Ein Wasserrad, das während des Produktionsbetriebes aus einer natürlichen, gestauten Quelle gespeist wird, treibt den gewaltigen „Crusher“, welcher das Zuckerrohr zerkleinert und zerdrückt, so dass der Zuckerrohrsaft ausfließt.

Über Berge von getrockneten Zuckerrohrresten (Bagasse genannt), die zum Teil als Brennmaterial wiederverwendet werden, stapfen wir in die hölzerne Produktionshalle, wo der Saft aus dubiosem Rohrsystem von Bottich zu Bottich fließt, reduziert und schließlich vergoren wird. Verschiedene Bauern aus der Umgebung liefern ihr Zuckerrohr hier ein, gemessen und bezahlt werden sie nach der Menge der Saftproduktion, die wie vor 250 Jahren an einer Tafel in der Fermentierungshalle festgehalten wird.

Die nächste Station ist die Destillation, hier wird kräftig eingeheizt, um im Druckkessel das Rum-Destillat zu gewinnen, welches in einer Rohrschlange im Bachwasser abgekühlt und zur Abfüllstation geleitet wird. Sehenswert ist auch die sogenannte Qualitätskontrolle: hier wird der Alkoholgehalt festgestellt und je nach Ergebnis das Destillat in unterschiedliche Behälter geleitet. Die Abfüllung in Flaschen erfolgt von Hand.

Zwar werden bei „Rivers Rum Grenada“ nur kleine Mengen hergestellt – 600 Flaschen täglich – und für die weitere Reifung in Fässern ist die Nachfrage auf der Insel Grenada zu groß, man hat keine Zeit um braunen Rum zu produzieren, also bleibt es bei weißem, aber der hat es in sich.

Das Hauptaugenmerk der Produktion liegt auf der Herstellung von 75%tigem Alkohol, da im Flugzeug wegen der Brandgefahr aber nur die Mitnahme bis 70% gestattet ist, wird zusätzlich für die Touristen eine 69%tige Variante abgefüllt. Nach der Verkostung könnten wir als Feuerspeier auftreten, so sehr brennt das Zeug.

Berühmt ist Grenada auch für die Kakaobohnen- und Schokoladenproduktion. Und so besichtigen wir mit Jouvay Chocolate und Belmont Estate gleich zwei altehrwürdige Verarbeitungsstätten. In der Fermentierungshalle riecht es wie in einer Weinkelterei, das leicht säuerliche Fruchtfleisch der Kakaofrüchte wird hier in großen Holzkisten mit Bananenblättern abgedeckt vergoren. Der Vorgang dauert 6-7 Tage, währenddessen werden die Bohnen regelmäßig von einer Kiste zur anderen geschaufelt, um ein gleichmäßiges Ergebnis zu erreichen. Erst nach der Fermentation lassen die Kerne den typischen Schokoladengeschmack erkennen, der sich mit anschließender Trocknung und Röstung der Bohnen dann noch verstärkt.

Auch hier kommt beim Trocknen der fermentierten Bohnen noch alte „Technologie“ zum Einsatz: in riesigen Holzschubkästen auf mehreren Ebenen werden die Bohnen in der Sonne getrocknet. Auf Eisenschienen gelagert können die Schubkästen bei Bedarf unter eine regenfeste Abdeckung gefahren werden.

Ergebnis der Schokoladenproduktion sind zartschmelzende dunkle Schokoladen mit hohem Kakaoanteil, dann die sogenannten Cocoa-Balls, die man hierzulande für die Bereitung von „Chocolate Tea“ (bei uns: „heiße Schokolade“) verwendet, aber auch Kakaobutter, die hauptsächlich in Kosmetika Verwendung findet.

In der Markthalle von St. George wie beim Einkauf bei verschiedenen Gewürzhändlern lernen wir viel über die wichtigsten Gewürze der Insel, insbesondere über die Muskatnuss. Sämtliche Bestandteile der Frucht und des Kerns werden irgendwie verwendet: aus der dickfleischigen gelben Frucht, die die Muskatnuss umhüllt, gewinnt man Muskatsirup und -gelee. Der eigentliche Kern ist in frischem Zustand von einem knallroten Netz überzogen, dem sogenannten „Mace“: dies wird getrocknet ebenfalls als Muskat-Gewürz verwendet, ist jedoch feiner im Geschmack. Die Muskatnuss ist das Hauptexportprodukt Grenadas. 20% des Weltverbrauchs an Muskatnüssen stammen aus Grenada, das damit nach Indonesien der zweitgrößte Produzent von Muskatnüssen weltweit ist. 

Zusammen mit Zimt, Ingwer und Piment hat sich Grenada den Ruf der Gewürzinsel in der Karibik erworben.

Grenada hat auch sonst einiges zu bieten. Bei einer Taxirundfahrt erkunden wir den nördlichen Teil der Insel. Unser Fahrer Andrew zeigt uns neben den Rum- und Schokofabriken den Concord Wasserfall, den Schildkrötenstrand, zwei Süßwasserseen, den Regenwald, die Schwefelquellen und schließlich zum Abschluss der achtstündigen Rundfahrt noch den atemberaubenden Blick von der Festung auf St. George, die Bucht und den Hafen.

Peinlich nur, dass wir am Ende kaum noch das Geld zusammenkratzen können, um ihn für seine Mühen zu entlohnen – offensichtlich haben wir zu viel in Rum, Schokolade und Gewürze investiert😊. Dummerweise funktioniert an diesem Abend auch Burkhards Kreditkarte nicht, Sibylles Karte wurde von der Bank aus Sicherheitsgründen prophylaktisch gesperrt. So legen wir das wohlverdiente Trinkgeld schließlich in US-Dollar drauf, die hier neben der Landeswährung immer gern genommen werden.

Die Hauptstadt St. George ist geprägt von altenglischer Bausubstanz, vor der sich das bunte Leben der quirligen Stadt besonders abhebt. Wir besuchen den Gewürzmarkt und durchstöbern einige größere Supermärkte. Einkaufen in der Karibik geht immer nach der Devise: man kaufe, was man gerade bekommen kann, auch wenn man es nicht sofort braucht. Im nächsten Ort oder Supermarkt darf man nicht darauf hoffen, dasselbe Produkt nochmals zu ergattern.

Drei Tage lang liegen wir vor Anker in der Grand Mal Bucht bei St. George, vier weitere an einer Mooring im GYC – Grenada Yacht Club. Anders als in der gegenüberliegenden Port Louis Marina sind hier die Liegegebühren moderat und wir wollen auch schauen, ob der Liegeplatz eventuell als Sommerquartier während der Hurrikan-Saison taugt. Auch wenn der Yachtclub mit der zugehörigen Restaurantterrasse irgendwie sympathisch ist – monatelang hier zu verweilen, können wir uns dann doch nicht vorstellen. Wir fahren auch zur Besichtigung eines hurrikan-sicheren Landstellplatzes nach Clarks Bay. 

Hier möchte man erst recht nicht länger bleiben, abgesehen von der täglichen Kletterei, wenn das Schiff am Land steht, ist hier außer der Clarks Court Marina weit und breit nichts, zum nächsten Supermarkt kommt man nur mit dem Taxi. Außerdem ist der sehr gut gepflegte Platz für die kommende Saison bereits ausgebucht, wie wir erfahren. Wir lassen uns auf die Warteliste aufnehmen, doch Clarks Court wäre für uns nur dann eine Option, wenn wir während der vier Monate nicht auf dem Schiff bleiben würden.

Grenada ist vorläufig der südlichste Punkt unserer Karibik-Reise, nun orientieren wir uns wieder Richtung Norden, um in Martinique Burkhards Bruder und Schwägerin aufzunehmen.

Wir segeln zurück über Carriacou. Die Insel Carriacou gehört ebenfalls zum Staat Grenada und der Ankerplatz in der Tyrrel Bay wie auch der kleine Ort Hillsborough haben es uns ganz besonders angetan. Christine und Michael von der Ariranha haben sich in der Woche zuvor viel Zeit genommen, um uns ihre Lieblingsplätze zu zeigen. 

Die beiden lebenslustigen Deutschen segeln seit vielen Jahren in der Karibik und kennen sich bestens aus. Nun sind sie zum ersten Mal mit dem eigenen Schiff hier. Wir verbringen gemeinsam nette Stunden bei unzähligen Drinks und sehr guter lokaler Küche. Nachdem Burkhard sich abends beim Aufholen des Dinghi die Winschenkurbel ins Schienbein rammt, kümmern sie sich rührend, holen uns mit ihrem großen Dinghi ab, begleiten uns zum Arzt in Hillsborough, als sich die Wunde entzündet.

Hillsborough ist ein angenehmer, bunter Ort mit reichlich Einkaufsmöglichkeiten. Die Terrassen der einheimischen Bars am Strand bieten einen herrlichen Ausblick auf die türkisfarbene weite Bucht – das ist jetzt mal Karibikfeeling pur. Man kann stundenlang einfach nur so dasitzen und entspannen. Wir genießen in vollen Zügen ….

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