Atlantic Crossing – die Zweite.

Unser Weg von West nach Ost bis nach Sao Miguel ist 2.482 Meilen lang, die wir in 18,3 Tagen zurücklegen. Häufige Flauten sorgen dafür, dass unser Durchschittstempo mit 5,65 Knoten (Meilen pro Stunde) einen halben Knoten unter dem des Hinwegs liegt, dennoch gibt es vor allem am Anfang und Ende der Strecke frischen Wind, wo wir mit 6-7 Knoten im Mittel richtig flott segeln können.

Anmerkung der Redaktion:

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Die Überfahrt von Guadeloupe zu den Azoren ist bis auf zwei kleinere Mahi Mahi zwar leider wenig fischreich, aber ansonsten können wir uns über mangelnde „Action“ tatsächlich nicht beklagen.

Tja und wie sollte es anders sein: an Tag 7 auf See hat der Bordkühlschrank mal wieder einen Aussetzer. Von den Herren der Schöpfung natürlich unbemerkt, um die Vorratshaltung und Verwaltung kümmert sich ausschließlich Sibylle. Diesmal ist das Relais kaputt. Das hatten wir schonmal ganz am Anfang kurz nach der Übernahme des Schiffes – deshalb haben wir auch drei Ersatzrelais an Bord, da sind wir uns ganz sicher. Aber irgendwie haben die Relais es blöderweise nicht auf unsere Inventarliste geschafft – so verläuft die Suche ergebnislos und wir finden die Teile erst zufällig nach Ankunft in Ponta Delgada wieder, nachdem wir bereits neue bestellt hatten. Gott sei Dank kann man einen solchen Fehler durch Überbrückung des Relais ganz leicht provisorisch beheben – vorausgesetzt man verwendet hierfür ein Kabel von ausreichender Stärke 😉.

Der Wassergenerator macht uns trotzdem unterwegs zunächst mal wieder wenig Freude – diesmal allerdings, weil der Propeller ständig voll mit Sargassum-Braunalgen behängt ist und er so keinen Strom erzeugen kann. Weshalb an Tag 11 trotz etlicher Motorstunden unser Energielevel ziemlich stark im Keller ist, denn auch eine der Solarpanele hat sich wegen Korrosion an der Steckverbindung verabschiedet.

Warum bereits am zweiten Tag auf See die Halterung der Hydrovane Windfahnen Steuerung locker ist und sich gefährlich bewegt, können wir uns nicht erklären. Jedenfalls keine schöne Sache, nicht nur ist so die Hydrovane unbrauchbar – auch der Wassergenerator hängt ja noch mit an der Konstruktion und es gilt zu vermeiden, dass die Teile durch weitere Bewegung immer lockerer werden, womöglich sogar ein Loch ins Heck reißen. Wir versuchen zu dritt, die losen Bolzen wieder anzuschrauben, nicht so ganz trivial, da sie von der Innenseite kaum zu erreichen sind. Endlich scheint es gelungen, Dieter schraubt mit dem Kopf nach unten hängend außen am Heck, während Burkhard innen gegenhält, Sibylle vermittelt die Kommunikation zwischen den beiden. Ein Test am Abend zeigt jedoch leider, dass die Reparatur dem Wasserdruck nicht gewachsen ist. Immerhin, wir vertrauen dem Ganzen soweit, dass wir auf die Demontage des Windfahnenruders und des Wassergenerators verzichten. Später in Ponta Delgada stellen wir fest, dass der eine Bolzen verbogen und gebrochen ist – hier bewahrheitet sich mal wieder der blöde Spruch: nach „fest“ kommt „ab“☹.

Der Versuch, den benzingetriebenen Generator anzuschmeißen (wir müssen Diesel sparen!) scheitert zunächst – sofort nach Anspringen schaltet sich das Gerät wegen Überlastung ab, obgleich wir an der Mastervolt die niedrigste Input-Einstellung gewählt haben. Wir vermuten, dass die Batterien schon soweit entladen sind, dass sie bei Einschalten trotz Herunterregelung der Ampereladung einfach zu viel absorbieren. So laden wir doch erst eine Weile mit dem Motor vor, als dann immer noch nichts geht, kommt Sibylle schließlich auf die kluge Idee😉, mal in den Sicherungskasten zu schauen … siehe da – die Klimaanlage ist eingeschaltet und schluckt bei Einschalten des Generators natürlich sofort sämtliche Energie.

Die Sargassum Braunalgen begleiten uns diesmal fast über die gesamte Strecke, das Aufkommen lässt erst wenige hundert Meilen vor den Azoren spürbar nach. Das ist überraschend, soweit nord-östlich haben wir die ausgedehnten Algenteppiche nicht erwartet. Und so macht es auch erst an Tag 13 einigermaßen Sinn, den Propellerantrieb von unserem Watt & Sea Hydrogenerator durch bewährtes Klopfen mit dem Gummihammer auf die Antriebswelle wieder gängig zu machen – ab da liefert der Generator dann störungsfrei richtig viel Energie, sehr erfreulich. Das Sargassum verleidet Sibylle auch schließlich die Angelei – es macht einfach keinen Spaß, alle paar Minuten die Angel von den ekelhaften Algen zu befreien, die sich an Vorfachwirbel und Köderhaken setzen und im Schneeballeffekt schnell an Größe gewinnen, so dass man die Angelschnur schon bei 6 Knoten Fahrt kaum noch über Hand einholen kann.

Die Plage scheint sich weiter auszudehnen. Forscher an der University of South Florida sprechen bereits vom „Großen Atlantischen Sargassum-Gürtel“. Die Forscher halten es für wahrscheinlich, dass solche Braunalgen-Blüten im Zentralatlantik zur neuen Norm werden könnten. 2015 und 2018 war der Teppich jeweils über 8850 Kilometer lang. Erst kürzlich wurde die Eskalation ausführlich in den Medien thematisiert (süddeutsche.detagesschau.de scinexx.denzz.ch), anlässlich einer Veröffentlichung der Wissenschaftler aus Florida. Demnach soll der veränderte Nährstoffgehalt des Meeres, vor allem auch im Bereich der Amazonasmündung, zur explosionsartigen Vermehrung der Algen beitragen.

Ein weiteres Naturphänomen begegnet uns, was uns nicht nur merkwürdig, sondern auch unheimlich vorkommt, und uns wieder einmal intensiv über die Ursachen und Auswirkungen der Klimaveränderungen nachdenken lässt. Über hunderte von Seemeilen treiben unzählige, wunderschön blauviolett schillernde `Portugiesische Galeeren` an uns vorbei – an einigen Tagen sind es mindestens zwanzig pro Minute an jeder Schiffsseite, die wir zählen. Das heißt, wir sind umgeben von Millionen dieser sehr gefährlichen Quallen. Wo treiben die alle hin?

Und unsere Mitsegler aus der ABC-Flotte, die sich zum Teil Hunderte von Meilen von uns entfernt aufhalten, berichten über mehrere Tage dasselbe. Ist das normal? Nach unserem Landfall machen wir uns schlau:

„Die bläulich schimmernde bis 30 cm messende sackförmige Gasblase (Pneumatophore) sorgt für den Auftrieb. … Bei Gefahr kann das Tier innerhalb von Sekunden abtauchen. Das kammähnliche Segel wird nur bei Wind aufgerichtet, sonst würde die Portugiesische Galeere austrocknen. Während der Drift schaukelt sie immer wieder rechts und links, um sich feucht zu halten. Durch Steuerung ihrer Fangarme kann sie gerade soviel manövrieren, dass ihre Großverbände von mehreren tausend Exemplaren zusammen bleiben. Die zahlreichen blauen, weißen oder rotvioletten Tentakel sind bis zu 50 Meter lang.“ (Wikipedia)

Während die Tiere zum Beispiel an der Nordküste Australiens häufig auftauchen, so ist in der Regel im Mittelmeer immer nur von einzelnen „Sichtungen“ der Tiere die Rede. Hunderte Exemplare wurden jedoch in diesem Jahr an einem Strand in Mallorca gefunden, genau in der Zeit, als wir inmitten der riesigen Population auf dem Atlantik segeln mdr.de/wissen/umwelt.

 

„Eigentlich lebt die Portugiesische Galeere in den tropischen und subtropischen Regionen des Pazifik, teilweise aber auch im Atlantik: Sie mag es gern warm. Eigene Fortbewegungsorgane hat sie keine, sie wird angetrieben von Seewinden, Strömung und Gezeiten: Dazu nutzt sie vor allem ihren aufgestellten Kamm, eine Blase über Wasser, die wie ein Segel wirkt. Die Portugiesische Galeere ernährt sich von kleinen Fischen, Krustentieren und Muscheln, die sie mit ihren Tentakeln umschlingt und aussaugt. Berührungen mit den Tentakeln, genauer gesagt ihren Nesselzellen, sind für Menschen nicht nur beim Erstkontakt im Wasser schmerzhaft. Sie wirken wie Peitschenhiebe und halten ungefähr eine Stunde lang an. Das Gift kann einen allergischen Schock hervorrufen, mit Atemstillstand und Herzversagen. Sogar wenn sie schon tot ist, wirkt die Berührung mit den Tentakeln immer noch toxisch. Bei Kontakt mit einem dieser Meeresbewohner sollte immer ein Arzt informiert werden.“ (MDR Wissen 14.05.2019)

Auf den Azoren gehört die Portugiesische Galeere zum Bade-Alltag. Wie auch in Australien gibt es an einigen Badestränden zweistufige Warnschilder, die zur Vorsicht auffordern oder sogar das Baden verbieten. Ob sich allerdings der Trend zu erhöhtem Aufkommen im Mittelmeer fortsetzt, bleibt abzuwarten. Wir sind jedenfalls heilfroh, dass wir keine Veranlassung hatten, unterwegs im Atlantik ins Wasser hinab zu müssen – ohne schützenden Neoprenanzug wäre das kein Spaß geworden.

Einige unserer Herausforderungen auf der Reise sind allerdings leider – wie schon öfter mal – selbst verschuldet.

Am achten Tag auf See früh um 07:20 Uhr Bordzeit gibt es einen Knall, die Genua ist unten am Hals abgerissen und flattert im Wind. Sibylle weckt Burkhard und Dieter zur Hilfe. Wir rollen das Segel zunächst ein Stück ein, dann auf Anraten von Dieter gehen wir mit dem Heck in den Wind, um das Vorsegel abzubauen. Dieter erwischt in der Hektik das falsche Fall und löst das Großfall anstelle der Genua. Dabei fädelt sich das Großsegel unten aus der Führung, wie wir später feststellen. Beim Zusammenfalten der Genua sehen wir, dass diese nicht korrekt in die Doppelschlaufe am Segelhals eingeschäkelt war, sondern lediglich in die äußere der beiden Schlaufen, die nun deshalb durchgescheuert ist. Die große Genua müssen wir an Deck verstauen, sie passt nicht mehr in den Segelsack und auch nicht durch die Luke. Wir setzen das Ersatzsegel. Die kleine Genua ist natürlich längst nicht so gut wie die große, aber wir zögern, die große Genua wieder aufzuhissen, aus Sorge, die zweite Schlaufe könnte ebenfalls brechen und Schlimmeres passieren.  Das gesamte Manöver, inklusive Großsegel neu einfädeln, kostet uns knapp 100 Minuten, währenddessen läuft der Motor und wir fahren in südwestlicher Richtung zurück.

Tag 12 auf See: Nach dem Frühstück legt sich Sibylle nochmal hin. Gerade ist sie selig weggeschlummert, da tut es erneut einen Knall. Wieder ein Problem an der Genua, diesmal ein größeres, denn nun ist das Segel oben am Fall abgerissen und liegt bereits an Backbord im Wasser. Zu dritt schaffen wir es jedoch, das Tuch schnell wieder an Bord zu ziehen, Gott sei Dank. Der Fall-Schäkel ist im Drehgelenk gebrochen, der Schlitten mit dem Fallende hängt oben im Masttopp. Wie kann das passieren? Dieter bietet sich an, in den Mast hochzugehen, obgleich er damit kaum Erfahrung hat, wie wir später erfahren. Es schaukelt entsetzlich, Dieter kann sich kaum halten. Burkhard kurbelt ihn hoch mit der Elektrowinsch. Sibylle führt die Sicherungsleine nach. Schließlich schafft es Dieter mit letzter Kraft den Schlitten runterzudrücken, der Rest geht von allein. Als Dieter wieder sicher an Deck steht, hat er mehrere Blutergüsse und Schürfwunden, aber es ist vollbracht. Ein Ersatzschäkel wird eingehängt und das Segel wieder hochgezogen. Nach gut zwei Stunden sind wir wieder auf Kurs. Fotos wollte in dieser Situation niemand machen.

Endlich haben wir auf der Tour mit Unterstützung durch Dieter nun auch mal unser fast neues Vorwindsegel (Wingaker) vernünftig eingesetzt. Ein wirklich tolles Segel, wenn man die Handhabung beherrscht.

Die Stimmung an Bord ist schlecht. Sibylle hat Dieter laut angegangen, als er das Großsegel anstelle des Vorsegels löst, das war nicht richtig. Er hat zurückgebrüllt, was ebenso wenig angemessen ist, denn schließlich ging es in dem Moment lediglich darum, ihn möglichst lautstark schnell auf seinen Fehler aufmerksam zu machen, und die Folgen des Irrtums gering zu halten.

Am Nachmittag aber bemühen wir uns dann jedoch mit wieder-vereinten Kräften, das große Vorsegel wieder einsatzbereit zu machen. Durch die vordere Luke zerren wir den Segelhals in den Salon und nähen einen Streifen Gurtband als Ersatz für die gebrochene Schlaufe an, teils mit der Nähmaschine und dann auch unter unendlicher Anstrengung (Dieter mit der Kombizange) per Hand. Die provisorische Reparatur soll und kann nur der zusätzlichen Sicherung dienen, falls die innere Schlaufe auch durchscheuert. In Ponta Delgada lassen wir die Schlaufen für 140 Euro komplett erneuern.

Wir sind alle Novizen, aber Dieter kennt sich zumindest mit Spinnaker Segeln aus. Ein bisschen Tricksen müssen wir zunächst mit der Anbringung des Doppelblocks für den Achterholer, den wir schließlich vorn am Anker befestigen, damit das Gehäuse der Furling keinen Schaden nimmt.

Leider auch hier wieder typische Anwenderfehler: das Spi-Fall muss zwingend vor dem Vorstag geführt und vor allem danach auch wieder außen herum zurückgeführt werden, ansonsten fixiert es die obere Befestigung am Kopf der Genua, was vermutlich zum Verbiegen und Bruch des Genua-Fallschäkels (siehe oben) geführt hat.

Außerdem lässt sich das Segel nur bei korrekter Führung des Falls bei Bedarf auf die andere Seite shiften. Und letztendlich scheuert das Spi-Fall durch die Reibung am Vorstag, wenn es nicht korrekt geführt ist. So passiert am letzten Nachmittag vor der Ankunft. Gott sei Dank ist das Fall noch nicht komplett durchgescheuert, als wir das Segel abnehmen, um die letzten 20 Meilen bis Ponta Delgada mit dem Motor zurückzulegen. So kann man es leicht um die schadhafte Stelle kürzen und weiterverwenden.

Ansonsten ist das Segeln mit dem Wingaker einfach herrlich und entspannt. Ohne das Segel hätten wir noch häufiger motoren müssen. Sogar in der Nacht bleibt das Segel einmal draußen – wir sind schlichtweg begeistert, die Investition hat sich gelohnt.

Circa 3-4 Tage vor Ankunft geht mehrfach die Bilgepumpe. Sibylle findet bei Überprüfung morgens reichlich Wasser in der abgetrennten Motorbilge – circa 15 Liter pumpen wir ab. Wie ist es da bloß hingekommen, es gibt keine direkte Verbindung zur Hauptbilge, es muss also irgendein Schlauch im Motorraum defekt und das Wasser bei Schräglage herausgeschwappt sein. Kurze Zeit später springt einer der Schläuche vom Wassermacher ab, noch während wir danebenstehen – na also. Nach Festschrauben sollte das Problem behoben sein, doch immer noch schlägt die Bilgepumpe sporadisch an. Das Wasser kommt eindeutig von achtern, wir befürchten, dass die neu eingesetzten Ruderdichtungen bereits wieder defekt sein könnten. Dass das Seewasser tatsächlich durchs GFK, also durch das Material hindurch eindringt (Horror!), stellen wir erst etliche Tage später im Hafen von Ponta Delgada fest. Dieses Problem wird sich zu unserem Alptraum des Sommers 2019 auswachsen – dazu an anderer Stelle mehr.

Doch sollte keinesfalls der Eindruck entstehen, dass diese zweite Atlantik-Überquerung auch nur im Entferntesten so anstrengend ist wie die Hinreise im vergangenen Winter. Im Gegenteil!

Die Gründe: Von der ABC-Organisation bekommen wir ein hervorragendes, in Verbindung mit dem Positions-Tracker ein teilwiese sehr individuelles Wetter-Routing mit täglichen Wegpunkten. Das macht die Teilnahme an dieser Veranstaltung absolut empfehlenswert! (http://atlanticbackcruising.com/en/ und https://www.facebook.com/Atlantic.Back.Cruising/)

Das präzise Routing ermöglicht uns nicht nur den Starkwind-Bereichen zu entgehen, sondern auch zielgerichtet und schnell aus den zahlreichen Flauten herauszufahren, beziehungsweise den vorherrschenden Wind bestmöglich auszunutzen. So lautet etwa der Marschbefehl am 22: Mai: „das Ziel ist es, solange wie möglich mit der Front und ihren SW-Winden zu segeln. Hierfür hält man sich südlich der Linie 35.00N – 37.30W / 31.00N – 44.00W / 29.00N – 48.00W.“ 

So müssen wir am Ende zwar mit dem Diesel haushalten, aber unter Einsatz unserer fünf Reservekanister haben wir dennoch noch ausreichend Kraftstoff, um den Ziel-Hafen unter Motor anlaufen zu können. Ein bisschen spannend ist das natürlich zwischenzeitlich schon, täglich rechnen wir, wie viele Motorstunden beziehungsweise Seemeilen unter Motor uns noch bleiben. Und in Anbetracht der häufigen Flauten wird die Einleitung des täglichen Wetterberichts mit „no risk of strong winds“ zum geflügelten Spruch des Törns. Die Bilanz zeigt, dass wir tatsächlich knapp ein Fünftel der Strecke unter Motor zurücklegen mussten.

Natürlich gleichen wir die ABC-Wetterempfehlungen mit den Vorhersagen ab, die uns sonst noch zur Verfügung stehen. Täglich fordern wir per Mail (via SSB oder Satellitentelefon versendet) Daten über die Großwetterlage auf dem Nordatlantik an. Mailadresse:  weather@mailasail.com. Betreff lautet: PYEA11.SMALL.TIF

 

Das binnen weniger Sekunden gelieferte File ist klein genug für den Empfang mit schmaler Bandbreite. Es zeigt jedoch die immens wichtige Übersicht über die Großwetterlage, die wir vor allem im Verlauf über die Tage intensiv in ihrer Veränderung beobachten. Die Grib-Files von `Wetterwelt` benötigen wir eigentlich diesmal nicht, dafür liefert ABC ausreichend Daten für den kurz- und mittelfristigen Planungshorizont.

Zweitens: Welle und Schwell. Wenig Wind, dann in der Regel weniger Welle – die unangenehme Seiten-Welle hat uns ja auf dem Hinweg am meisten belastet. Und wenn der Wind mal ordentlich bläst, dann liegen wir in der Regel schräg auf einer Seite, auf einem Bug. Darauf kann man sich einstellen. Und mit dem Wingaker segelt es sich auch bei Wind von achtern deutlich angenehmer als im Schmetterling – man liegt ruhiger, rollt viel weniger. Auf dem Weg in die Karibik war leider der Wind meist zu stark, um den für Leichtwind ausgelegten Wingaker einsetzen zu können.

Nicht zuletzt: bekommt man zu dritt erheblich mehr Schlaf und reist ausgeruhter als zu zweit. Unser Wachplan sieht einen 4-Stunden Wach-Wechsel vor, mit darauffolgend 4 Stunden Ruhe- plus 4 Stunden `Standby`-Phase. Im Normalfall hat der Freigänger also bis zu acht Stunden Schlaf am Stück. Das funktioniert hervorragend. Außerdem verteilen sich die Aufgaben nun auf drei, anstatt auf zwei Schultern. Dieter hat gerade vorher noch an einer Segel-Regatta in Kroatien teilgenommen und ist auf den Segeltrimm spezialisiert. Burkhard kümmert sich hauptamtlich um Wetter und Navigationsaufgaben, Wasser- und Energieversorgung, und Sibylle um Vorratshaltung und Kombüse, Notfallpläne, Logbuch.

Wunderbar ist auch der Empfang bei unserer Ankunft auf Sao Miguel. Zufällig erwischen wir den Abend der ABC-Stegparty für die bereits angekommenen Schiffe. Super Timing 😉. Als wir an der Hafenmole außen vorbeifahren, gibt es ein Feuerwerk. Auch zufällig, aber wir finden, das ist mehr als angemessen, auch wenn die Initiatoren nicht unbedingt uns im Visier haben. Um 22:40 Uhr Ortszeit am 30.05. 2019 machen wir am Steg in der Marina von Ponta Delgada fest. Burkhard steuert leider beim Einparken kurz gegen das Nachbarschiff und unsere Sonnenpanele an Backbord ist anschließend ziemlich hinüber. Shit happens. Die Crews der anderen ABC-Teilnehmer jubeln uns zu, es stehen Getränke bereit und Francois sowie Anne begrüßen uns auf herzlichste. Wir feiern die Ankunft, bis wir umfallen (was nicht lange auf sich warten läßt 😊).

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