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Hurra! Gibraltar!

Ein ganzer Monat später als geplant – aber jetzt sind wir endlich in Gibraltar. 

Die vergangenen Wochen haben wir vor allem dazu genutzt, um unser Schiff komplett auf Vordermann zu bringen, auf Ersatzteile zu warten, zu warten, zu warten und derweil auch kurz unsere Lieben in Deutschland zu besuchen – wir werden darüber berichten.

Nun aber ist es endgültig. Lange stehen die beiden am Kai von Almerimar und winken uns nach. So viele schöne Stunden haben wir gemeinsam verbracht, und oft haben sie uns mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Wir sind sehr traurig, dass wir sie zurücklassen müssen.

Wind gibt es keinen auf diesem Trip nach Gibraltar, der unter Motor gut 20 Stunden dauern wird. Nach dem heftigen Regen am frühen Morgen ist es ziemlich kühl, und wir reisen in langer Hose und dicken Jacken – aber zumindest bleibt es unterwegs trocken.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit fangen wir einen kleinen Thun. Die Nachtwachen funktionieren diesmal prima, bei den bevorstehenden längeren Überfahrten werden wir es ab jetzt mit einem konsequenten 3-Stunden Wachwechsel versuchen. Sibylle hat die spannende Wache ab 04:00 Uhr, wo wir uns langsam Gibraltar nähern und der Schiffsverkehr deutlich zunimmt.

Bei Sonnenaufgang schließlich umrunden wir den Felsen. In der riesigen Hafenbucht liegen Dutzende von riesigen Frachtschiffen auf Reede, einige davon laufen soeben aus. Dazwischen tummeln sich gefühlte hunderte kleiner Fischer- und Sportboote, die zum morgendlichen Angeln ausgefahren sind. Die Fahrt in die Alcaidesa Marina bei La Linea wird so zum Hindernislauf.

Die Sanitäranlagen in der Marina sind ziemlich neu und es gibt gute Waschmaschinen, die wir sofort nutzen, um nach einem deftigen Frühstück mit `strammen Max` drei Maschinen laufen zu lassen. Die Wäsche trocknet schnell, es ist hier viel wärmer als gestern bei der Fahrt aus Almerimar und der frische Wind tut ein Übriges. Burkhard befreit das Boot vom Salz. Wir lernen Peter aus Köln kennen, der mit einem Kat und Chartercrew ebenfalls an der ARC teilnimmt. Er gibt uns gute Tips für den Aufenthalt in Gibralter. Am Nachmittag machen wir uns auf zum Chandler, der Laden liegt in Sichtweite aber leider muss man einmal das gesamte Hafenbecken umrunden, um dort hinzugelangen.

Und wieder gibt es einen Abschied von unseren lieben Freunden von der „Rasant“, Jos und Hans, die wir unverhofft in Almerimar wiedergetroffen haben, nachdem sie ihre Winterlagerpläne geändert hatten. Das heißt – verabschiedet haben wir uns in den vergangenen Tagen tatsächlich mehrfach, denn die Wettersituation im Zusammenhang mit dem Hurrikan Leslie hat unseren ursprünglichen Abreisetermin nochmals verzögert.

Der Motor schnurrt geräuschvoll aber gleichmäßig beruhigend – so gut hat sich das schon lange nicht angehört. Enttäuscht sind wir jedoch, dass sich trotz aller Bemühungen von Frank in Almerimar nach ca. acht Stunden Fahrt doch wieder eine erhebliche Menge an Öl in der Bilge darunter gesammelt hat. Wir müssen nachkippen, denn der Peilstab zeigt unter Minimum.

Nahe des Gibraltar Felsen wird es echt aufregend. Immer wieder muss man AIS- und Radar-Informationen über sich nähernde Schiffe genau beobachten, mehrfach ändert Sibylle den Kurs, um der Großschifffahrt auszuweichen, die das gleiche Ziel haben wie wir. Auch das Ankerfeld kurz vor dem Felsen mit Tankern und Frachtern passieren wir in gebührendem Abstand. Noch anderthalb Stunden bis zur Dämmerung (hier wird es erst um 08:30 Uhr hell!) – da wird Sibylle schließlich leicht panisch in dieser Masse von irritierenden Lichtern und weckt Burkhard, der den nahen Gibraltar-Felsen tatsächlich – noch schlaftrunken – für ein großes Schiff hält 🤣.

Zu früh sind wir nun – um bei Tageslicht einzulaufen, müssen wir noch eine halbe Stunde rumbummeln. 

Am Gastkai neben der Tankstelle müssen wir anhalten um im modernen Marinagebäude einzuchecken, dann geht es zum Liegeplatz (12.41). Hier liegt man längsseits an Fingerpontoons. Sofort fühlen wir uns sehr wohl, man hat von hier aus Sicht auf Palmen und den Felsen. Gleich nebenan ist der Flughafen, der liegt bereits hinter der britischen Grenze. Um nach Gibraltar Stadt zu gelangen, muss man den Flughafen überqueren, das heißt, die Landebahn wird mit einer Schranke kurz abgesperrt, wenn ein Flugzeug startet oder landet.

Es scheint, dass sich ab Freitagmittag ein Wetterfenster auftut, das uns erlaubt, den „Überstek“ („Rasant“-deutsche Wortschöpfung für: „Überfahrt“ 😉) nach Gran Canaria in Angriff zu nehmen.

Ein letzter Balearen-Stopp

Vorbei an der Ostküste von Ibiza segeln wir runter nach Formentera für einen letzten Badestopp auf den Balearen. In dem Ankerfeld von Espalmador haben wir eine Boje gebucht. Sehr spannend ist die Passage zwischen Ibiza und Formentera, wo man durch zwei Kardinaltonnen geleitet die kleinen versprengten Inseln mit ihren Untiefen umfahren muss. Wir fahren auch hier unter Segeln, ständig dampfen großen Motorboote und unzählige Fähren an uns vorbei beziehungsweise kommen an der engen Stelle entgegen.

Der Ankerplatz ist traumhaft schön, ein Vorgeschmack auf die Karibik. An der Boje nebenan gibt es heute eine Party: Junggesellinnen-Abschied, die spanischen Damen alle in rosa Badeanzug mit Aufschrift „Bride“. 

Nach einem Blick auf die Windsituation in den nächsten Tagen entschließen wir uns spontan zu bleiben und einen Tag später zu einer Nachtfahrt Richtung Cartagena aufzubrechen.

Die Wettervorhersage ist nicht wirklich anheimelnd, es gibt wieder Gewitter, vielleicht auch unterwegs, aber wir legen anderntags wie geplant gegen halb zehn von unserer Boje ab.

Bald setzen wir die Segel, volles Tuch. Der Wind schwächelt ab und zu aber wir halten tapfer durch, den Motor werden wir erst am nächsten Tag wieder anschmeißen müssen.

Nach gut drei Stunden wird der Wind stärker, und wir düsen richtig los mit 5-7 kn. Eine Delphinschule schwimt und springt um uns herum – bestimmt zehn Minuten lang.                 

Kurz nach Einbruch der Dunkelheit verlässt uns der Wind und wir schalten den Motor an. Hoffentlich geht das nicht die ganze Nacht!                                                                           

Doch gut 20 Minuten später ist der Wind wieder da und wir können erneut segeln. Wir essen ein leckeres Omelett und Sibylle ist die erste, die bald danach die Augen zumacht. Der Wind wird immer stärker und wir kommen gut vorwärts mit 6-7 kn unter Großsegel. Leider peinigt uns die Welle schräg von hinten ziemlich heftig, und so fällt Sibylle im leichten Schlaf von der Bank im Cockpit, es gibt jedoch nur zwei dicke blaue Flecken, sonst ist nichts weiter passiert.                             

Kurz vor Mitternacht erreicht der Wind um die 30 Knoten und wir wollen reffen. Etwas mühsam, in den Wind zu gehen, aber schließlich klappt es. Auch das Reffen ist anstrengend, aber gelingt gut. Anschließend holen wir zur Stütze auch ein wenig Vorsegel heraus, damit liegen wir etwas ruhiger. Leider ist bei dieser Aktion mal wieder unsere Hydrovane Windfahnensteuerung buchstäblich „aus dem Ruder gelaufen“, wie bei der Überfahrt nach Sardinien hat sich die Steuereinheit mitsamt Ruder verdreht und ist somit für den Rest der Überfahrt unbrauchbar. Vielleicht hätten wir die Wind-Fahne während des Manövers festsetzen müssen, damit das nicht passiert, trotzdem wundern wir uns darüber und wollen Tom diesbezüglich kontaktieren.                                                                  

Über das Manöver wird es Mitternacht. Endlich segeln wir weiter, jetzt mit 5-7 Knoten. Abwechselnd gönnen wir uns ein bisschen Schlaf.                                                                      

Gegen 3 Uhr früh flaut der Wind ab, so dass wir Stück für Stück das Reff aus dem Vorsegel rauslassen. Danach wird der Wind zunehmend weniger, wir dümpeln dahin mit weniger als 4  Knoten. Schließlich reffen wir das Groß wieder aus, aber bereits kurz danach müssen wir den Motor anstellen. Der Wind bleibt weg für den Rest der Fahrt.                                                              

 

Am Morgen fangen wir drei kleine Thuns oder Bonitos, am Mittag dann nochmal drei. Zwei gehen uns vom Haken. Burkhard meint, das sei ja wie Karpfenangeln im Teich 😊. In hervorragender Teamarbeit holen wir die Fische mit dem Käscher an Bord. Insgesamt haben wir knapp drei Kilo Fisch für leckeres Tartar.             

Bei brütender Hitze legen wir nach knapp 30 Stunden in Cartagena im YPC an. Es gibt gutes Internet und Waschmaschinen, alles andere erkunden wir später.    

Mallorca

In der Vergangenheit haben wir Mallorca lediglich von Landseite her kennen und schätzen gelernt. In der Zeit, als wir noch jeden Sommer irgendwo im Mittelmeer eine Yacht gechartert haben, waren uns sowohl die fetten Chartergebühren wie auch die Aussicht auf grenzenlos überteuerte Marinas und Ankerplätze immer Abschreckung genug, die schöne Insel für einen Urlaubstörn in Betracht zu ziehen.

Wir machen Station der türkisblauen Bucht Cala Mondrago. Tagsüber gibt es hier wie überall jede Menge kleiner Motorboote und Schwimmer von den beiden nahen Stränden. Aber abends kehrt Ruhe ein, so wie wir es auch schon in Italien erlebt haben: die lärmenden Tagesgäste verschwinden, und falls man den Anker nur provisorisch gelegt hat, um dem Trubel zu entgehen, kann man nun in aller Ruhe einen freien Platz im Innern der Bucht suchen. Wir treffen Jos und Hans in einem Strandrestaurant zum Abendessen. Leider mündet hier ein Fluss, der im Moment kaum Wasser führt und daher in der Sommerhitze entsprechend unangenehm riecht. Je nachdem, wie der Wind steht, weht der Geruch manchmal bis zum Schiff herüber, aber wir lassen uns nicht davon abhalten, einen weiteren Badetag in der netten Bucht zu verbringen.

Die Skepsis ist groß, denn auch unterwegs lesen wir im Internet von Buchten, die gegen ankernde Segler abgesperrt werden und im Revierführer wird gewarnt, dass man das Einlaufen – zum Beispiel in den Hafen von Palma – ohne eine sehr rechtzeitige Reservierung gar nicht zu versuchen braucht, vor allem natürlich in der Hauptsaison bis Ende August. Die Liegegebühren erscheinen astronomisch – ab 150 Euro aufwärts.

Doch unsere holländischen Freunde von der „Rasant“ kennen das Revier bereits vom vergangenen Jahr und nehmen uns mit auf eine überraschende Reise entlang der Ostküste bis in die Bucht von Palma und Santa Ponsa.

Am nächsten Tag erwarten wir überraschend Tagesgäste: Anna, die Tochter unseres langjährigen Kollegen „Günni“ mit ihrer Freundin Larissa machen nebenan in der Cala D`Or eine Woche Urlaub und wollen mit dem Bus herüberkommen. Dummerweise geht es Burkhard morgens gar nicht gut und er verbringt den Tag mehr oder weniger in der Koje, nachdem er die Gäste vom Strand abgeholt hat – es sind wohl die Muscheln vom Vorabend, die sich zurückmelden …. 

Schade, denn gern wären wir mit den beiden Mädels draußen eine Runde segeln gegangen. Doch die Girls haben auch Spaß mit Schnorcheln und springen vom Boot ins Wasser. Für das SUP ist es leider zu windig. Am Nachmittag tischt Sibylle ein paar Snacks auf. Die Zeit vergeht wie im Flug und der letzte Bus fährt um 18:10 Uhr. Sibylle rudert die beiden zurück – über den Besuch haben wir uns sehr gefreut!

Eigentlich wollen wir am Folgetag mit der „Rasant“ nach Cala San Jordi, doch in der Früh` ruft Hans rüber, ob wir nicht weiter bis Palma gehen sollen, der Wind ist gut und laut Vorhersage gibt es anderntags eine Flaute. Burkhard ist noch etwas angeschlagen, aber wir hängen uns dran. Gut die Hälfte der Strecke können wir segeln, dann verlässt uns der Wind.

Auf die Frage nach dem geplanten Ankerplatz textet die „Rasant“ zurück: vor der Kathedrale von Palma. Also wie jetzt – wir wollen vor der Kathedrale ankern? In unserem Hafenführer gibt es diesen Ankerplatz natürlich nicht, aber in den Navionics-Charts ist ein Anker zu sehen und tatsächlich finden wir auch im Internet Empfehlungen für den Ort.

Eine echt spektakuläre Location und wir geniessen es, hier eines der wenigen Schiffe zu sein. Doch für den kommenden Tag fragen wir im Hafen von Palma an, da wir dort einiges erledigen wollen. Unter anderem benötigen wir eine neue WiFi Simcard und einen Hafenführer für die spanische Festlandküste. Wir bekommen kurzfristig einen bezahlbaren Platz in der Lonja Marina, die unter der Woche die freigewordenen Charterplätze unerwartet „günstig“ (77 Euro pro Tag) vermietet. Wir stellen fest, dass man im Hafen von Palma kaum besser liegen kann.

Möchte man die Stadt erkunden oder einkaufen, hat man von der Lonja Marina ganz kurze Wege bis in die Altstadt und zur Kathedrale. Auch die beiden Chandler sind ganz in der Nähe. Außerdem vermittelt die Marina sehr guten Service für Reparaturarbeiten jeder Art. Wir wollen die Gelegenheit nutzen, um Batterien und Elektronik nochmals prüfen zu lassen, da uns immer wieder Volt-Leistung fehlt, auch bei geladener Batterie. Während Sibylle im Supermarkt im Basement des El Corte Ingles hervorragend Lebensmittel und Getränke einkauft, empfängt Burkhard den Elektriker auf dem Boot. Mit den Einkäufen hat sich Sibylle dann leider etwas übernommen, der Weg zurück zum Boot wird lang und beschwerlich ….

Dort angekommen, verabschiedet sich der Elektriker gerade. Ein sympathischer junger Mann, der Kompetenz ausstrahlt. Die Batterien sind vollgeladen und in Ordnung, so wie wir es vermutet haben. Nun sollen wir für zwei Stunden einen Test mit ein paar Verbrauchern machen – es ist jedoch wohl bereits klar, dass wir die gesamte Verkabelung von der Batterie her erneuern müssen. Leider hat Toni, der Elektriker, keine Zeit für diesen Job vor Anfang der Folgewoche. Wir machen einen Großeinkauf beim gut sortierten Chandler, auch das Küstenhandbuch bekommen wir. Sibylle ist schon unterwegs zum Vodafone Shop in die City, während Burkhard an Bord erneut auf Toni wartet.

Wir müssen uns nun überlegen, ob wir am Wochenende nochmals nach Palma zurückfahren, um montags von Toni die Kabel erneuern zu lassen. Die „Rasant“ macht uns die Entscheidung leicht – sie werden mitkommen.

Per Telefon verabreden wir, dass Sibylle ein Restaurant aussucht, und Burkhard dazu kommt. Ein Fehler. Sibylle findet ein hochgelobtes, kleines feines Restaurant in einer schmalen Gasse neben dem Plaza Rei Juan Carlos und schickt den Link per WhatsApp. Googlemaps führt Burkhard jedoch komplett woanders hin. Während Sibylle im Restaurant wartet und mitleidige Blicke auf sich zieht, ist Burkhard in einem anderen Restaurant mit ähnlichem Namen – leider 1,6 km entfernt. Nach circa 45 Minuten finden wir endlich wieder zusammen. Das Essen ist hervorragend, das Restaurant klimatisiert und wir haben trotz allem einen wundervollen Abend. Nach einem Eis auf dem Rückweg kehren wir noch in der Bar La Lonja ein – eine wunderschöne, typisch spanische Bar. Eigentlich wollen wir einen „Tunel“ trinken (diesen Absacker kennen wir noch aus Urlaubszeiten), doch der Gastwirt serviert uns den echten „Hierbas de Mallorca“, nicht das Touristengetränk, wie er sagt.

Die „Rasant“ treffen wir anderntags in Portals Vells wieder. Auch eine sehr, sehr schöne Bucht mit türkisfarbigen Wasser. Die Windvorsage treibt uns jedoch weiter nach Santa Ponsa, hier liegt man gut geschützt vor dem Ostwind, der bereits früh in die Bucht von Portals Vells steht. Kurz vor dem Anleger erwischt ein viel zu dicht vorbeifahrendes Motorboot unseren Köder an der Schleppangel, die Schnur wickelt sich in Windeseile ab und reißt, und „brennt“ zusätzlich noch in die Fahne der Windsteuerung ein Loch hinein. Sibylle ist zum Heulen zumute.

Nach einem schönen Segeltag laufen wir also am Nachmittag des 26. August gemeinsam wieder in Palma ein. Der Marinero hält gerade Siesta – so muss die „Rasant“ ohne Hilfe und wir mit Hilfe eines Mitarbeiters der Charterbasis anlegen. Nach dem Anleger gibt es bei uns einen Sekt an Bord, dann gehen wir in die Stadt. Jos findet schnell ein schönes Tapas-Restaurant in einem Kellergewölbe, das ihr gut gefällt. Die beiden wollen uns einladen – wir denken, das ist nicht richtig an unserem Hochzeitstag – aber sie setzen sich durch 😊. Danke!

Anderntags sind die Elektriker pünktlich zur Stelle, werden aber leider nicht fertig, weil Toni wegen eines Notfalls abgerufen wird. So bleiben wir eine weitere Nacht, am nächsten Tag sind wir mittags dann endlich startklar, so dass wir mit der „Rasant“ nach Ses Illetes auslaufen können, ein wundervoller Ankerplatz in der Bucht von Palma. Leider steht Schwell herein und die Nacht ist ziemlich unruhig, so brechen wir am Morgen auf in der Hoffnung, dass es in Portals Vells besser sein wird. Das ist nicht der Fall, insbesondere der Tag ist ziemlich nervenaufreibend wegen der vielen kleinen Motor-Boote in der Bucht, die beim Ankern ständig zu nahekommen. Aber immerhin sind es von hier ein paar Meilen weniger bis nach Ibiza – die letzte Station, die wir mit der „Rasant“ gemeinsam anlaufen wollen, bevor wir weiter Richtung Süden und Gibraltar segeln.

Unsere Voltleistung hat sich nach den Arbeiten von Toni merklich verbessert, der messbare Output an den 12V-Steckdosen um 0,5 Volt erhöht. Wir sind sehr zufrieden, müssen aber noch weitere Maßnahmen durchführen, bevor die Energieversorgung wirklich passt.

Am 30.08. um 06:30 in der ersten Morgendämmerung geben wir Anker auf und starten von Portals Vells Richtung Ibiza. Besonders deutlich fällt uns heute auf, wie sehr sich der Sonnenaufgang nach hinten verschoben hat, je weiter wir nach Westen kommen. Wir folgen der „Rasant“ im Abstand von einigen Minuten. Im Ausgang der Bucht holen wir die Segel raus und nehmen sie erst kurz vor der Einfahrt nach Portinatx wieder rein. Ein toller Segeltag mit achterlichem Wind!

Tags drauf heißt es nun Abschied nehmen von Hans und Jos. Das wollen wir würdig begehen und verabreden uns für ein gemeinsames Abendessen im Restaurant, oberhalb der Bucht mit Blick auf unsere Schiffe. 

Die beiden holen uns mit ihrem Dinghi ab – unseres verliert leider immer noch an unbekannter Stelle etwas Luft und es kommt auch Wasser rein. Burkhard ist sehr bemüht, konnte aber bisher die Ursache nicht finden – woran das wohl liegt …. (siehe Paparazzi-Fotos von Jos 😉 ).

Gemeinsam paddeln Hans und Burkhard. Im Restaurant sind wir um 18:00 Uhr die ersten Gäste. Leider ist der angepriesene Grouper nicht verfügbar (da wären wir besser aufgehoben bei Verena und Christoph, die haben in den Kykladen nämlich gerade mal wieder einen erlegt!), so bestellen wir zunächst jeder eine Vorspeise, dann nehmen wir aber doch alle noch einen zweiten Gang und auch den Nachtisch lassen wir diesmal nicht aus. Ein echt schöner Abschiedsabend, zu dem wir die beiden Freunde gern einladen. Nach einem Absacker auf der „Rasant“ umarmen wir uns mit vielen guten Wünschen für die weitere Reise und Hans paddelt uns rüber zur „Ithaka“. Als wir am nächsten Tag den Anker aufholen, hat er eine Haube von Seegras. Schweren Herzens winken wir rüber zur „Rasant“ – passt auf Euch auf, liebe Freunde, es war eine wunderbare Zeit mit Euch! Wie schnell sind die letzten drei Wochen vergangen.

Und wieder Gewitter …

Als wir am Morgen zusammen mit der „Rasant“ aus Polença aufbrechen, wissen wir noch nicht, dass unser Ankerplatz und Tagesziel quasi vor der Haustür liegt, wo alte Duisburger Freunde von Sibylles Eltern seit langen Jahren ein Haus besitzen. Und so verbringen wir nach einem schönen Badenachmittag im türkisblauen Wasser vor dem Port de Costa de los Pinos ganz unverhofft einen wundervollen Abend mit Christel, Dorothee und Christian in einem Restaurant in Son Severo, in das sie uns zum Essen einladen.

Gern wären wir noch länger geblieben, doch auch aus dieser schönen – leider sehr offenen – Bucht vertreiben uns abermals Wolken und die Unwettervorhersagen für die kommenden Tage. Inzwischen liegen wir in Portocolom an einer der Bojen des Club Nautico, die hier fast im gesamten Hafenbereich zum Schutz der Posidonia (Seegras) ausgebracht sind. 

Der Himmel ist schwarz, um uns herum donnert es und zuweilen regnet es dicke Tropfen. Da gibt es endlich Zeit, einige Erlebnisse aufzuarbeiten. Leider ist das Internet mal wieder ziemlich schlecht.

Der mittlerweile tägliche Blick auf die Blitzortung in Echtzeit zeigt, dass es fast im gesamten Mittelmeerraum heute blitzt und donnert. Irgendwie scheint das nicht aufzuhören.

Weiter gen Westen

Es treibt uns weiter Richtung Westen – nicht nur, weil wir so etwas wie Zeitdruck verspüren, um rechtzeitig, das heißt deutlich vor Start der ARC die Kanaren zu erreichen, sondern auch um dem schlechten Wetter zu entgehen, das uns immer wieder einzuholen scheint.

 

Sardinien ist wundervoll in jeder Hinsicht, doch haben wir Bedenken, das Wetterfenster mit mildem Südost-Wind verstreichen zu lassen, mit dem wir komfortabel auf die Balearen übersetzen können. Also brechen wir etwas früher auf als geplant. In Cagliari haben wir einiges erledigt: Zahnärztin, Einkäufe, das Angel-Tackle Paket abgeholt, welches der fürsorgliche Bruder und Schwager zur Sicherstellung unseres nächsten großen Fangs dorthin geschickt hatte. Auch der Autopilot ist inzwischen repariert: die Antriebs-Zahnräder waren durch, die neuen Teile sind jetzt aus Metall und dadurch hoffentlich robuster. Der fähige Mechaniker stellt auch den Winkel neu ein, damit das Ruder nicht bis zum Anschlag dreht und der Motor des Autopiloten weniger belastet wird. Auch ein längst überfälliges Software-Update für unsere Kartenplotter wird noch schnell durchgeführt. Und weil alles ausnahmsweise mal glattläuft, verliert Sibylle ihr Portemonnaie mit sämtlichen Karten und Ausweisen beim Radfahren auf der Straße. Eine furchtbar nette junge Frau namens Roberta stellt die Börse sicher, kontaktiert Sibylle per Email und Facebook und händigt ihr wenig später das gute Stück vollständig wieder aus. Den Bargeldbetrag, der sich im Geldbeutel befand, muss man ihr quasi aufdrängen … Glück im Unglück, ein Wunder, dass es noch solche ehrlichen Menschen gibt – doch Sibylle ist für den Rest des Tages völlig erledigt.

Aus der wunderschönen türkisen Bucht Cala Zafferano werden wir leider am nächsten Morgen vom Militär vertrieben, nachdem sich nach einem regnerischen Vortag endlich die Sonne durchsetzt. In allen Revierinformationen ist zu lesen, dass man im Juli und August hier ankern darf, auch wenn die Bucht eigentlich im militärischen Sperrgebiet liegt. Selbst die vielen italienischen Boote können kaum glauben, was ihnen geschieht, doch gnadenlos fordern die Soldaten jedes einzelne Schiff auf, die Bucht sofort zu verlassen.

 

Wir verlegen uns etwas frustriert nach Porto Pino, von hier wollen wir den Absprung nach Menorca nehmen. Für die Überfahrt haben wir diesmal zwei Tage und zwei Nächte eingeplant, unsere längste zusammenhängende Fahrt bis jetzt. Auch in Porto Pino bleiben wir von Regen und Gewitter nicht verschont – das Wetter ist extrem unbeständig und wenig typisch für die Hochsommermonate in diesen Breiten. In der Hoffnung, dass wir zumindest unterwegs von Unwettern verschont bleiben, machen wir uns am Vormittag des 07. August auf den langen Weg. Nach einigen Stunden unter Motor können wir schließlich wie geplant die Segel setzen und kommen mit raumen Wind bis zum nächsten Vormittag gut voran.

Dann verabschiedet sich der Wind leider gänzlich, dabei haben wir noch mindestens 70 Meilen vor uns – keine schöne Perspektive. Wir nutzen die Fahrt unter Motor, um uns mit dem Thema `Ausbaumen der Genua` auseinanderzusetzen. Als wir schließlich den Baum mit Topnant und Niederholer vorschriftsmäßig angeschlagen haben, lässt uns sehr bald die milde Brise erneut im Stich und bis zum Abend schippern wir die nächsten 20 Meilen unter Motor. Dann holen wir die Segel wieder auf, egal wie, keiner von uns beiden hat die Nerven, die ganze Nacht hindurch das Motorgeräusch zu ertragen. Etwa 3 Stunden später kommt nach einer Halse auch tatsächlich wieder guter Wind auf, der uns bis in die Hafeneinfahrt von Mahon bringt, wo wir am 09. August gegen 10:30 Uhr in einer seitlichen Bucht am Anker festmachen.

 

Viele Boote liegen hier in der Cala Teulera, wo das Ankern maximal für drei Tage geduldet wird, danach muss man sich an einen der teuren Hafenplätze in Mahon verlegen. Heute wollen wir hier einfach nur erstmal ausruhen und dann weitersehen.

Auch Menorca ist zumeist wolkenverhangen, nur gelegentlich kommt an diesem Tag die Sonne durch. In der Nacht gibt es dann ein fürchterliches Unwetter mit Gewitter und Sturmböen bis 51 Knoten, so etwas haben wir bisher am Anker nicht erlebt. Gegen drei Uhr nachts bricht die Hölle los, die Blitze erleuchten die Bucht taghell, dazwischen ist es stockfinster. Der Regen prasselt wie aus Kübeln. In dem starken Wind treiben Segelboote, deren Anker sich gelöst haben, vor uns hängen zeitweilig zwei Boote an der größeren schwedischen Segelyacht Dream Time, die nach einer Drehung nun mit ihrem Heck an unserem Bug festhängt. 

Am Heck der schwedischen Yacht ist das Dinghi mit einer Kette befestigt, die sich wiederum in unserer Ankerkette verhakt und unter unseren Bug gezogen wird, so dass wir zunächst auch selbst keine Kette rauslassen konnten, um weitere Kollisionen zu verhindern. Nur auf nachhaltiges Geschrei von Sibylle reagiert der schwedische Skipper und löst die Dinghi-Kette. Erst als unser Bug wieder frei ist, können wir ein paar Meter Ankerkette rauslassen. Allzu viel können wir jedoch nicht nach hinten ausweichen, da unmittelbar hinter uns ein holländisches Boot mit einem jungen Pärchen liegt. Der Abstand reicht so gerade eben, um einen erneuten Zusammenstoß zu vermeiden. Der Skipper der schwedischen Yacht weigert sich, Kette aufzuholen mit dem Hinweis „I was here first“ – keine angemessene Strategie zur Schadensbegrenzung. Tiefe Kratzer an Steuerbord vorn, vor allem in der blauen Lackierung, sowie Beschädigungen am Bugkorb und am Holz der Süllkante sind das Ergebnis der Nacht. Außerdem hat Burkhard seine Gleitsichtbrille ans Meer verloren.

Der Eigner des schwedischen Schiffes behauptet später, er sei weder abgetrieben noch hätte er aus Sicherheitsgründen nachts Kette rausgegeben. Im Gegenteil, er versteigt sich dazu zu erklären, wir seien auf sein Boot getrieben und nicht umgekehrt, was natürlich angesichts der zur Zeit der Kollision vorherrschenden Windrichtung und der Tatsache, dass er mit seinem Heck an unserem Bug festhing, völlig unsinnig ist.  

Auch am Morgen holt der Schwede keine Kette. Also verlegen wir uns an einen freien Ankerplatz in der Mitte der Bucht und Burkhard kontaktiert Pantenius, um den Versicherungsschaden zu melden. Viele Yachten sind noch in der Nacht abgefahren. Wir passieren im Vorbeifahren die SY Rasant, auch eine Hallberg Rassy. Die Holländer sind besorgt und möchten wissen, wie es uns ergangen ist, am Tag zuvor haben sie uns beim Ankern schon vor einer flachen Stelle in der Bucht gewarnt.

Dann kommen Michael und Linda von der SY B`Sheret (Najad 37), Amerikaner. Sie haben Sibylle in der Nacht schreien hören und auch sie wollen erfahren, was eigentlich passiert ist. Der nette Plausch dauert länger als sie geplant hatten, aber dann müssen nach Mahon zum Einklarieren.

Wir machen das Dinghi und SUP-Board startklar, Sibylle holt den Freediver aus dem Stauraum. Wir wollen Fotos von den Schäden machen und auch nach Burkhards Brille suchen, die er in der Nacht verloren hat. Als Sibylle draußen auf dem Brett steht, kommen Hans und Jos von der „Rasant“ rübergefahren. Sie sind sich sicher, dass die „Dream Time“ nicht mehr an ihrem ursprünglichen Platz liegt. Unserer Einladung aufs Boot zu kommen nehmen sie gern an, wir verbringen ein paar nette Stunden zusammen und tauschen Erlebnisse aus. Anschließend versucht Sibylle die Brille zu finden, leider ohne Erfolg. Michael und Linda helfen mit einem weiteren Bleigurt, aber Sibylle hat beim Tauchen fürchterliche Ohrenschmerzen, besonders auf dem linken Ohr, was schon seit der Überfahrt Probleme macht. Das Wasser ist völlig trüb, man sieht den Grund erst, wenn man kurz davor ist. Am Abend bringen Linda und Michael Ohrentropfen und bleiben auf einen Drink, auch sie haben viel zu berichten, vor allem von ihrer Reise durch den Pazifik.

Am nächsten Vormittag wollen wir nun endlich nach Mahon fahren zum Einkaufen. auch Hans und Jos sind schon unterwegs, als wir gegen 11:30 Uhr endlich lostuckern. Sie haben uns für 17:00 Uhr zu Drinks an Bord der „Rasant“ eingeladen. Der Weg bis zur Stadt ist weit – circa 1,5 Meilen – aber wir genießen die Fahrt durch den zweitgrößten Naturhafen der Welt (nach Pearl Harbour).

Die Stadt wirkt ruhig, aufgeräumt, hell und sauber, sehr schöne alte Häuser säumen die auffallend breiten Straßen. An einem Platz finden wir einen Optiker und fragen wegen Anfertigung einer Gleitsichtbrille für Burkhard. Aufgrund eines Feiertags in der kommenden Woche würde die Bestellung der Brille eine ganze Woche dauern, das ist uns zu lang. So erwirbt Burkhard eine kleine Auswahl an Fertigbrillen, welche die verschiedene Situationen abdecken und vorläufig die Gleitsichtbrille ersetzen werden.

Es ist fast 21:00 Uhr als man uns auf der „Rasant“ mit der Frage nach einem Kaffee hinausschmeißt – wir haben überhaupt nicht gemerkt, wie die Zeit vergeht. Beim Ablegen mit dem Dinghi nimmt Sibylle unfreiwillig ein Bad, mit den Handys in der Hand, die Gott sei Dank in wasserdichtem Beutel verpackt waren.

 

In den kommenden Tagen segeln wir ein Stück des Wegs gemeinsam. Wir folgen der „Rasant“ in die Cala Son Sauro und nehmen am nächsten Tag ebenfalls Kurs auf Mallorca. Wieder einmal Gewitterwolken bei der Abfahrt von Menorca und heftiges Gewitter neben uns bei der Ansteuerung von Polença. Und wieder gibt es sehr früh am Morgen ein Unwetter, Gott sei Dank ist das Ankerfeld in Polença sehr weitläufig und die Windböen nicht so stark wie Tage zuvor, doch auch hier driftet ein Boot durch die Bucht, zwischen „Rasant“ und „Ithaka“ hindurch – schön, dass es unsere Anker nicht erwischt hat.

Damit es uns denn auch nicht langweilig wird, lässt Burkhard dann vorgestern mal eben unser Steuerrad ins Wasser plumpsen – herrje. Also muss Sibylle mal wieder mit dem Freediver tauchen, dankenswerter Weise ist der Grund nicht tief, wenn auch das Wasser nicht minder trüb und undurchsichtig ist – doch so ein Lenkrad ist dann schon leichter wiederzufinden als eine Brille …. Ab sofort werden wir das Lenkrad immer festbinden, wenn wir es abnehmen!

Inzwischen scheint die Sonne wieder und gemeinsam mit der „Rasant“ machen wir uns auf den Weg zur Costa de los Pinos – diesmal mit schönem Wasser zum Baden!